Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/312

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ein viel zarter gezeichneter, wenn auch nicht neuer Gedanke hindurch; aber der frühere behält die Oberhand und der Satz vermag sich nun nirgends zu einer schönen Höhe zu erheben. Bedenkt man aber, daß es noch viele gibt, welche diese rhythmische Figur noch nicht erkannt, — rechnet man hiezu den Fleiß und den Fluß, sodann die gut musikalische Gegenbewegung der äußeren Stimmen, was immer Zeichen eines gebildeten Musikers, — und sieht man dabei auf den unendlichen französisch-italiänischen vorgezogenen Plunder, der solcher Arbeit als Maculatur dienen könnte, so wird der erste Satz gutgeheißen, gelobt werden müssen und seinen Platz an einem Trioabend schicklich füllen.

So enthält auch der zweite Satz, Adagio genannt, gute Gedanken. Im Ganzen aber ist er doch nur da, weil es einmal so Gebrauch. Sterne sagt: der Mensch hätte kaum Zeit, sich die Stiefel anzuziehen.[H 1] Schreibt doch keine Adagio’s mehr, oder bessere als Mozart. Wenn ihr euch eine Perücke aufsetzt, werdet ihr darum weiser? Euren Adagiogedanken fehlt das Wahre, das Echte, das Leben, Alles, und wo wollt ihr denn eure ungeheure Phantasie, euren Witz etc. hinthun? Sehnlichst hoffte ich also im Scherzo[H 2] Lebendigeres und Originelles zu finden; aber das ist das schwächste Stück des Trios, dazu unleidlich Webernd,[H 3] wogegen sich der Componist überhaupt zu waffnen.

Wenig fehlte und es läge ein zweites Opfer jenes

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Laurence Sterne (1713–1768), englischer Schriftsteller, in seinem Tristram Shandy (zwischen 1759 und 1766 geschrieben).
  2. [WS] Adagio und Scherzo sind zwei Satztypen, die zur Gattung des Klaviertrios gehören; das Adagio ist zumeist gesanglicher Natur, das Scherzo von tänzerisch, sprunghaftem Charakter.
  3. [WS] Jähns schrieb die ersten wissenschaftlichen Abhandlungen über Weber (Carl Maria von Weber in seinen Werken, chronologisch-thematisches Verzeichniss seiner sämtlichen Compositionen und Carl Maria von Weber – eine Lebensskizze nach authentischen Quellen, Leipzig 1873) und war kompositorisch stark von diesem abhängig.