Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.2 (1854).pdf/11

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was es wäre? — „Nichts“, sagte Zilia, — „wie diese Walzer sind’s noch keine großen Schmerzen und nur Blutstropfen von Rosen hervorgelockt.“ Die aber dieses sagte, möge nie andre kennen lernen! —

Nach einer Pause stürzte sich Florestan in den Meyerschen Salon[H 1] voll glänzender Gräfinnen und Gesandtinnen. Wie einem das wohlthut, Reichthum und Schönheit im höchsten Stand und Schmuck und oben droben die Musik; alle sprechen und niemand hört vom andern; denn die Töne überschlagen in Wellen! „Dabei (preßte Florestan heraus) verlangts einem ordentlich nach einem Instrument mit einer Octave mehr links und rechts, damit man nur recht ausholen könne und schwelgen.“[H 2] Man hat keine Vorstellung, wie Florestan so etwas spielt und wie er fortstürmt und fortreißt. Auch waren die Davidsbündler ganz erhitzt und riefen in der Aufregung (eine musikalische ist unersättlich) nach „mehr und mehr,“ bis Serpentin zwischen den Walzern von Schubert und dem Bolero[H 3] von Chopin zu wählen vorschlug. „Treff ich“ — rief Florestan und stellte sich in eine Ecke weit vom Flügel — „mich von hieraus auf die Claviatur stürzend, den ersten Accord aus dem letzten Satz der D moll-Symphonie, so gilt Schubert.“ Natürlich traf er. Zilia spielte die Walzer auswendig.

Erste Walzer von Franz Schubert,[H 4] kleine Genien, die ihr nicht höher über der Erde schwebt als etwa die Höhe einer Blume ist, — zwar mag ich den Sehnsuchtswalzer,[H 5]

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Leopold von Meyer (1806–1883), 6 Walzer „Le Salon“ op. 4.
  2. [GJ] Schumann kannte diese Walzer schon seit einem Jahre. Als Leopold v. Meyer in einer Wiener Correspondenz der Neuen Zeitschrift (1835, II, 101) Internet Archive erwähnt und sein Vortrag Chopinscher und Thalbergscher Compositionen gerühmt wurde, bemerkte Schumann in einer Anmerkung dazu: „Ist er derselbe, der vor einiger Zeit Salonwalzer componirt und herausgegeben, so würden wir ihn auffordern, sein schönes Talent zur Composition durch strengere Studien noch weiter ausbilden zu wollen“. Leopold v. Meyer mag diese Aufforderung vielleicht gelesen haben, — befolgt hat er sie jedenfalls nicht. Er kam, wenige Ausnahmen abgerechnet, wo er einen höheren Anlauf versuchte, aus der Sphäre der gewöhnlichen Salon- und Tanzmusik nicht heraus, wie er denn auch zeitlebens in die Geheimnisse der musikalischen Orthographie nicht eingedrungen ist. Die Zeitschrift hat nicht wieder Veranlassung gefunden, seiner zu erwähnen. Als Virtuos war Leopold v. Meyer bei einem Theil des Wiener Publicums sehr gefeiert; der andere fand, daß er seine Finger wohl zu etwas Besserem hätte gebrauchen können als nur zu Laufburschendiensten. Als er einmal gefragt wurde, warum er denn Schumanns Kompositionen so ganz ignorire, erwiderte er: „Warum soll ich in meinen Concerten Sachen von Schumann spielen? seine Frau spielt auch nichts von meinen Compositionen“. (Vergl. in Hanslicks „Aus dem Concertsaal“ S. 391 den „großen Clavierpauker“. Internet Archive) I.340, FN 57. Internet Archive
  3. [WS] Vorlage: Boleros
  4. [WS] Franz Peter Schubert (1797–1828), [36] Tänze „Erste Walzer“ op. 9 D 365 (1816–1821). Partitur bei IMSLP.
  5. [WS] Sehnsuchtswalzer, eigentlich Trauer-Walzer As-Dur (1816) ist der zweite Walzer der Sammlung; Schumann schrieb 1831–1834 an Variationen über den „Sehnsuchtswalzer“ von Franz Schubert – Scènes musicales sur un thême connu, die womöglich unvollendet blieben, jedenfalls nur fragmentarisch überliefert und erst 2000 in einer rekonstruierten Fassung erschienen sind.