Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.2 (1854).pdf/180

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Wie weise wirthschaftet dagegen A. Schmitt und hält mit fester Hand zwei, drei Dinge fest, zieht sie zum Knoten zusammen, entwickelt sie eben so gut. Wollte man hier und dort am Speciellen stehen bleiben und mäkeln, so wäre kein Fertigwerden. Es handelt sich darum, wie sich des Künstlers Werk im Ganzen zeigt; im Einzelnen, was wäre da untadelhaft, was unverbesserlich![H 1]

Am Schluß dieser zweiten Reihe ergreife ich die Gelegenheit, an drei ältere Rondo’s von Carl Mayer zu erinnern. Man kann sie geradezu als Resumé seines Strebens betrachten. Die Gestalt gehört ihm (will man nicht leise an Field denken) beinahe ganz an, und klug that er, daß er sie in allen dreien unverändert beibehielt, weil man neugefundene Formen, wenn sie sich Platz in der Welt machen sollen, mehr als einmal wiederholen muß. An Kunstwerth steigen sie mit der Zahl; an phantastischer Bedeutung verhalten sie sich vielleicht umgekehrt; jedoch ist das nur eine Ansicht — und gleicht sich jedenfalls aus. Das Eigenthümliche ist das Einflechten einer langsamen Cantilene in das fliehendere Wesen des Rondos, wodurch die Gattung zwei Physiognomieen bekömmt und von ihrem Ursprung sich entfernend wie ein zusammengegedrängter Sonatensatz erscheint. Zu dieser glücklichen Manier gesellen sich alle Vorzüge einer guten Composition, reizender Harmoniefluß, gewählter Schmuck, durchscheinender Bau, inniger Gesang und eine Clavierangemessenheit, die

Anmerkungen (H)

  1. [GJ] Anmerkung 63. Aus den „Noten“ (1836, V, 26): „Herrn A. Schmitt hörte Notist 1829 in einem Concert, das Paganini in Frankfurt gab; man kann sich kaum größere Extreme denken. Sicher spielt er meisterlich, aber überall guckt der Mann der Etüde durch, während in Paganinis Hand die trockensten Uebungsformeln zu Pythiasprüchen aufflammen“. – Paganini gab 1829, vom 26. Aug. bis zum 11. Sept., sechs Concerte in Frankfurt. Schumann war damals Student in Heidelberg. Da er aber zu dieser Zeit auf seiner italienischen Reise begriffen und (nach den „Jugendbriefen“) am 31. Aug. in Bern war, so wird er sich in der Zeitangabe geirrt und Paganini nicht vor Ostern 1830 gehört haben. I.343