Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.2 (1854).pdf/210

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großen, in einer ganz andern Lebens- und Kunstepoche entstandenen B dur-Sonate zu ersetzen, in so hohem Grade unglücklich, ja auch die Instrumentation dieses Satzes im Vergleich zu den andern so ungeschickt und wie von einer andern Hand herrührend, daß ein ordentlicher Beethovener darüber eher wüthen, als in die Heiterkeit des Leipziger Publicums einstimmen müßte; der dithyrambische Aufschwung im letzten Satz machte das verkehrte Einschiebsel allerdings durchaus vergessen. Seien hiermit alle Concertdirectionen um Aufführung dieser prachtvollen, in’s Große gemalten Copie eben so angegangen, wie um Hinweglassung des Scherzo’s und machten sie sich den reproducirenden Componisten zum Todfeind dadurch.

Wenn sich die neugebrachten Symphonieen also in ziemlich gleichen Kreisen bewegten, so waren die neuen Ouverturen ihrer innern und äußern Verschiedenheit halber um so merkwürdiger. Florestan fragte neulich schelmisch genug, zu welchem Stück von Shakespeare denn die meisten Ouverturen geschrieben würden[H 2] etc.: bei den vier fraglichen wäre jedoch der Witz nichts weniger als gut anzubringen. Eine zur Oper „Der Besuch im Irrenhaus“ von J. Rosenhain in Frankfurt verrieth freilich viel Sympathie zu unsern westlichen Nachbaren, und Schönes, Sonderbares und Gemeines wechselte darin so rasch, daß man nirgends Fuß fassen konnte; indeß; zeugte sie auch von einem gewandten Talent, dem, wenn es noch Würdigeres leisten sollte, nur mehr Wachsamkeit

Anmerkungen (H)

  1. [GJ] Anmerkung 2: Auch Schumann scheint sich angeregt gefühlt zu haben, zu diesem Shakespeareschen Drama Musik zu schreiben, als er sich in den ersten vierziger Jahren dem Orchester zugewandt hatte; doch ist die Ausführung des Gedankens unterblieben. Louis Ehlert erfuhr das aus Schumanns Munde bei einer besonderen Veranlassung. Ehlert war 1843 Schüler des Leipziger Conservatoriums geworden, suchte Schumann einmal in seiner Wohnung auf und legte ihm eine Orchestercomposition zur Beurtheilung vor. „Freundlich setzte er sich mir gegenüber“ (so schrieb mir Ehlert) „und las den Titel: Ouvertüre zu Romeo und Julie. ,Sie haben es also gewagt‘, sagte er mit leisester Stimme, ,ich habe es nie gewagt‘. Die Wirkung auf mich war niederschmetternd. Ich entriß ihm das unglückselige Machwerk und ließ ihn trotz aller seiner Bitten keine Zeile darin lesen.“ II.491
  2. [GJ] Euseb antwortete gutmüthig: „zu Romeo und Julie“.[H 1] Florestan meinte aber wohl zu „viel Lärm um Nichts“. [Anm. der N. Zeitschr.]