Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.2 (1854).pdf/44

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

er solle erst auf die hohe Schule von Salamanca[H 1] gehen und noch studiren, so hat man einen Todfeind mehr. Sie sind oft selbst überzeugt, daß ihre Sachen nichts taugen. Und dennoch soll’s gedruckt werden. Sieht man Talent, so läßt sich nützen. Fehlen aber sogar die ersten Schulkenntnisse, so kann man nicht anders als still sein und sie ihrem Schicksal überlassen.

Was Hrn. Deppe[H 2] anlangt, so ist auch er auf dem besten Weg, nicht auf die Nachwelt zu kommen. Keine einzige bessere Regung, kein Funken Geist; leere Czernysche Nachklingelei; nur die vierte Variation hebt sich etwas. Eine gewisse Routine und Leichtigkeit, aber die der niedrigsten Sphäre, hält allein ab, das Heft ganz und gar zu verwerfen.

Besonderer Art sind die Veränderungen des Herrn C. Krebs.[H 3] Auf den ersten Anblick für’s Auge nehmen sie sich recht gut aus. Im Grunde ist’s aber lahmes Zeug, mit dem man, da es noch großprahlerisch verblüffen will, gar kein Erbarmen haben kann. Schon auf der zweiten Seite kommt man dahinter, so aus puren hohlen Phrasen ist es zusammengesetzt, aus Stückchen von Auber, Lafont, Kalkbrenner, sogar Spohr, — so ohne allen Grund brillant, ohne allen Grund gerade so und nicht anders. Herz und Lafont[H 4] haben dasselbe Thema variirt[H 5]. Da lerne er französische Manieren, coquettes Wesen, will er einmal damit entzücken. Doppelt traurig ist es, dies alles sagen zu müssen, da man gar nicht läugnen kann, daß sie von einem talentvollen,

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Die Schule von Salamanca in Spanien gehört zu den ältesten Universitäten Europas. Besonders im 16. Jhdt. gingen von ihr erhebliche Impulse des Humanismus aus.
  2. [WS] Deppe, G. G. Ferdinand (1808–1884), Variationen über ein Thema von Rossini.
  3. [WS] Krebs, Carl August (1804–1880), deutscher Pianist, Komponist und Kapellmeister. Einleitung und Variationen über ein Thema von Auber op. 41 wurde unter dem Titel Introduction et Variations sur un Thème de l’Opéra: La Fiancée d’Auber. Oe. 41, in A (déd. à Mr. Kalkbrenner.) in Hamburg bei Schuberth et N. im Juni 1836 herausgegeben.
  4. [WS] Herz, Henri (1806–1888), deutscher Pianist und Komponist; Variations Concertantes sur la Tyrolienne Favorite de La Fiancee d'Auber op. 56. Charles Philippe Lafont (1781–1839), ein französischer Violinvirtuose.
  5. [WS] Vorlage: componirt. Jansen verbesserte auf variirt, da das Thema ja schon von Auber komponiert war.