Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.3 (1854).pdf/77

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so unwissend, so unfähig in Urtheil und Leistung wie irgend eine in Flachsenfingen.[H 1] Zwerge aus der Welt zu schaffen, braucht es nun gerade keiner apostolischen Blitze, wie sie Paulus wirft; sie verkriechen sich ohnehin, faßt sie der Rechte irgend ernsthaft in’s Auge! Aber der Paulus that größere Wunder. Wie ein Freudenfeuer zündete diese fortlaufende Kette von Schönheiten in der Versammlung. Das hatte man nicht erwartet, diesen Reichthum, diese Meisterkraft, und vor Allem nicht diesen melodischen Zauber; ja als ich zum Schluß das Publicum überschätzte, war es so vollzählig da wie im Anfang, und man muß Wien kennen, um zu wissen, was das heißt: Wien und ein dreistündiges Oratorium haben bisher in schlechter Ehe gelebt; aber der Paulus brachte es zu Stande. Was soll ich weiter sagen? — jede Nummer schlug, drei mußten durchaus wiederholt werden,[H 2] zum Schluß summarischer Beifall. Der alte Gyrowetz meinte, „das wäre seines Erachtens das größte Werk der neuen Zeit;“ der alte Seyfried, „so etwas hab’ er nicht noch in seinen alten Tagen zu erleben gehofft.“ Kurz, der Sieg war passabel. Bedenkt man nun, daß die Aufführung nach zwei Orchesterproben vor sich ging, so muß man vor der Virtuosität der Wiener allen Respect haben. Die Darstellung war im Einzelnen noch keine vollendete und konnte es nicht sein; aber wie man hier einen Chor singt, aus allen Leibeskräften, daß man ihn eher zu besänftigen hätte, als anzufeuern, das findet man in Norddeutschland nur selten, wo man sich hinter die

Anmerkungen (H)

  1. [GJ] Das Duodez-Fürstenthum in Jean Pauls Hesperus. II.152 Commons
  2. [GJ] Nr. 8, 25 und 35. II.152 Commons