Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.3 (1854).pdf/80

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Schreiben aber die älteren Componisten keine mehr, so müssen sie ebenfalls ihre Gründe dazu haben, die zu errathen wir Jedem überlassen.

Auf Mozart’schem Wege war es namentlich Hummel, der rüstig fortbaute, und dessen Fis moll-Sonate allein seinen Namen überleben würde; auf Beethoven’schem aber vor Allen Franz Schubert, der neues Terrain suchte und gewann. Ries arbeitete zu schnell. Berger gab einzelnes Vorzügliche, ohne durchzudringen, ebenso Onslow; am feurigsten und schnellsten wirkte C. M. von Weber, der sich eigenen Styl gegründet; namentlich auf ihm bauen mehre der Jüngeren weiter. So stand es vor zehn Jahren um die Sonate, so steht es noch jetzt. Einzelne schöne Erscheinungen dieser Gattung werden sicherlich hier und da zum Vorschein kommen und sind es schon; im Uebrigen aber, scheint es, hat die Form ihren Lebenskreis durchlaufen und dies ist ja in der Ordnung der Dinge und wir sollen nicht Jahrhunderte lang dasselbe wiederholen und auch auf Neues bedacht sein. Also schreibe man Sonaten oder Phantasieen (was liegt am Namen!), nur vergesse man dabei die Musik nicht, und das andere erfleht von eurem guten Genius.[H 1]

Von Sonaten noch wenig bekannter Componisten liegen drei von F. E. Wilsing, und eine und eine von W. E. Scholz vor mir.

Die erstern von Wilsing sind dem verstorbenen trefflichen L. Berger zugeeignet, der, vielleicht des Componisten

Anmerkungen (H)

  1. [WS] In Anlehnung an den Zeitungsartikel (Neue Zeitschrift für Musik Bd. 10, S.134) lautet die Passage „Von Sonaten … von Wilsing“ bei [GJ]: Von Sonaten noch wenig bekannter Componisten liegen eine von J. C. Kelbe [Werk 12, vierhändig], drei von F. E. Wilsing [Werk 1] und eine von W. E. Scholz [Werk 19, F moll] vor mir; sie stehen hier in der Reihe ihrer Bedeutung.
    Die Sonate von Kelbe spricht für den Fleiß und den guten Willen des Componisten. Wie immer, zeigt sich auch in ihr im Adagio die Erfindungsschwäche am fühlbarsten. Anklänge fehlen ebenfalls nicht, und wie der Componist dem Anfang der Jubelouvertüre von Weber noch so sorgfältig auszuweichen sucht, so fällt er ihm, wenn auch erst im Adagio, im vollendeten E dur mit ganzer Körperschwere in die Arme; ebenso ist das Thema des letzten Satzes eine Versetzung des ersten aus Beethovens C-moll-Concert und dergl. mehr. Im Uebrigen strebt er nach guter Form und reiner Harmonie; mit einem Worte, hat man die erste Seite gehört, so kann man bei einigem musikalischen Scharfsinn das Folgende errathen.
    Die drei Sonaten von Wilsing sind dem verstorbenen trefflichen … II.156 Commons