Seite:Geschichte Dithmarschens Kolster 1873.pdf/220

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Streifen Moor getrennt, nur bei Meldorf nicht. So führte der von der Natur selbst dem Lande in die Marschniederung gebahnte Weg über Meldorf. Vergegenwärtigen wir uns einen Augenblick das damalige Aussehen des Landes. Ueberall Wald, so daß das Eichhörnchen nach Hans Dethleffs vom Zingel in Meldorf bis an des Landes Grenze auf lauter Bäumen springen konnte. Bis an des Landes Grenze, d. h. bis Hanerau, die alte nach Holstein führende Handelsstraße, und die einzige natürliche Verbindung der Halbinsel mit dem Festland. Die Waldungen durch mäßige Lichtungen unterbrochen, in denen sich die Dörfer mit ihrem Ackerfeld versteckten, auch verschollene, die noch Neocorus und Dethleffs kennen, Henschenrade, von großer Bedeutung, bei Bargenstedt, das zwei Achtundvierziger hatte, Oldenerpe, einst ein schönes Dorf (en fien Dorp), jetzt Elperbüttelerdonn, Quedden bei Windbergen, Oldendorp bei Sarzbüttel. Die Wälder bieten den Schweinen reiche Mast an ihrem sumpfigen Saume, auch wohl ein Streifchen Weideland für anderes Vieh; aber zu spärlich für einen bedeutenden Viehstapel; da muß das Watt aushelfen. So sah denn jene Zeit, wenn der Frühling wieder einzog und das Vieh wieder im Freien übernachten konnte, von allen Seiten die nach Meldorf führenden Wege sich bedecken mit Viehtriften zur Sommergräsung im Außendeich, wo man für Pferd, Rind, Schaaf und Gans eine ausreichende Weide fand: Meldorf war das Gasthaus an der Heerstraße. Von hier aus ließ sich über das weidende Vieh eine Aufsicht führen, bei Sturmfluthen etwas zur Rettung der bedrohten Thiere thun, hier das erkrankte unter Obdach bringen. Der Meldorfer Gastfreund war für den Besitzer ein hochwichtiger Mann, mancher siedelte sich dort wohl gern neben dem Kaufmann an, sicher dort ausreichende Gelegenheit zu mannigfachem Gewinn zu finden; wen der Markt nicht nach Meldorf zog, den trieb der wirthschaftliche Betrieb dahin.

Der Markt: der Marktplatz war und blieb der Kern des erblühenden Ortes, er lag natürlich am Landungsplatz der Waaren, am Hafen, wie noch heute; nur die Kirche müssen

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 201. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/220&oldid=- (Version vom 14.6.2018)