Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 10.djvu/071

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Schriftenwechsel zwischen Wien und Frankfurt heißt es stets Oster- und nicht Fastenmesse) ihre Gegenvorstellung einbringen zu dürfen. Da indeß die Messe zu Ende gegangen, habe er dieses Petitum unbeantwortet auf sich beruhen lassen, dagegen nochmals ermahnt, der publizierten Taxe künftig nachzuleben. Daneben habe er versprochen, daß, wenn der eine oder der andere unter Umständen bei der publizierten allgemeinen Taxe ohne Nachteil nicht bestehen könnte, dessen Anbringen gehört und ihm „in allweg befindlichen Dingen nachgeholfen werden sollte“. Hierauf seien die Buchhändler abgetreten; es scheine aber, als wenn die Meisten nach wie vor freie Hand behalten und sich ohne anderweite ernstlichere Verordnung der Taxe nicht anbequemen wollten.

Der erste Schritt der in ihren Interessen so schwer Bedrohten war die Anrufung der Intercession des jetzt leider schon einflußlosen frankfurter Rats. In der am 16. September 1656 in letzterm vorgelesenen Bittschrift sämtlicher zur Messe anwesenden in- und ausländischen Buchhändler führten Zacharias Hertel von Hamburg, Wolfgang Endter von Nürnberg, Kaspar Wachtler von Frankfurt, Hermann Mylius von Köln, Christian Gerlach und Simon Beckenstein von Magdeburg und Helmstädt, sowie endlich Johann Joachim Bockenhoffer von Straßburg aus: Der kaiserliche Generalfiskal habe den in- und ausländischen Buchführern (also nicht nur den vornehmsten derselben) vor wenig Tagen ganz unvermutet einen schriftlichen kaiserlichen Befehl vorgelesen, kraft dessen alle Verlags- und Sortimentsbücher („Verlags- und Handelß-Bücher“) dem Ballen nach in einem gewissen Preis taxiert und angeschlagen werden sollten, „mit angehengter scharffer bedrohung, falß wir Vnß deme nicht bequemen, sondern in verkauffen darwieder handeln würden, die Wahren und Bücher zu confisciren und einzuziehen“. Hierdurch fühlten sie sich in hohem Grade beschwert, und wenn es dabei bleiben sollte, würden sie, besonders die Ausländer, gezwungen sein, ihre Handlung in die frankfurter Messe gänzlich einzustellen. Der Preis des Papiers und anderer zum Verlag der Bücher gehörender Materialien variire und steige oft, sodaß die Bücher einer festen Taxe nicht unterworfen werden könnten. Zudem würden die Bücher gemeiniglich auf Kredit gegeben, außerdem bleibe bekanntlich ein guter Teil unverkauft und werde zu Makulatur. Sodann müßten sie, vor allem die Ausländer, ihre Bücher zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig und mehr Meilen herführen und resp. zu dreißig

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 678. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_10.djvu/071&oldid=- (Version vom 1.8.2018)