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 Die goldenen Sprüche des Pythagoras.

Erst verehr’ die unsterblichen Götter nach Ordnung des Ranges,[1]
Heilig halte den Eidschwur; dann die erlauchten Heroen
Und der Erde Dämonen verehr’ durch gesetzliches Handeln;[2]
Ehre der Aeltern Person und des Stammes nächste Verwandtschaft.

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Den dir wähle zum Freund, der an Tugend weitaus der Beste;

Laß dich leiten durch sanftes Wort und nützende Thaten;
Nie auch grolle dem Freund’ aus geringen Fehlers Verschulden,
Wann nur immer du kannst; denn soll man, so kann man, was Pflicht ist.
Das nun merke dir so; doch lerne dich so zu beherrschen:

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Erst des Bauches Gelüst, die Schlafsucht und weichliche Wollust

Und des Zornes Gewalt. Treib’ weder allein noch mit And’ren
Schändliches je; vor Allen am meisten achte dich selber.
Uebe sodann in Wort und That der Gerechtigkeit Tugend;
Davor hüte dich wohl, daß ohne Bedacht dein Benehmen,

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Sondern beherzige wohl, daß Alle dem Tode verfallen.

Bald auch erwirbst du das Gut, bald siehst du’s wieder entschwinden.
Mag auch des Himmels Geschick den Sterblichen Leiden bescheren,
Was dir beschieden als Theil, ertrag’ es willig, ohn’ Murren;


  1. D. h. nach dem Grade ihrer Vollkommenheit. An der Spitze der ersten Reihe (ἀθάνατοι θεοί[WS 1]) und über alle erhaben steht der Vater und Schöpfer des Weltalls – Ζεύς vgl. V. 61, dessen reinste Abbilder jene sind.
    Die mittlere Stufe nehmen die ἥρωες ἀγανοί ein, eine Art Dämonen, die Vermittler zwischen Himmel und Erde; sie verhalten sich nach Hierokles zu den ἀθάν. θεοί, wie der Glanz zum Feuer.
    In dritter Reihe stehen die Seelen der guten und weisen Menschen (δαίμονες = δαήμονες), insofern sie in Folge ihres Ursprunges und nach dem Grade ihrer Läuterung an dem Göttlichen Theil haben (nach Hier.); καταχθόνιοι hier vielleicht = über die Erde hin verbreitet.
  2. D. i. indem wir den leisen Mahnungen der ἥρωες und den Aussprüchen der Weisen Folge leisten und ihre Vollkommenheit anzustreben suchen; denn das ist der schönste Gottesdienst und übertrifft alle Opfer (so Hier.) War es ja Axiom der pythag. Schule: Τιμήσεις τόν θεόν ἄριστα, ἐὰν τῷ θεῷ τὴν διάνοιαν ὁμοιώσης, d. i. das Streben, der Gottheit geistig ähnlich zu werden, ist der beste Gottesdienst.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: θεόι
Empfohlene Zitierweise:
Pythagoras: Die Goldenen Sprüche des Pythagoras. Thein, Würzburg 1862, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Goldene_spr%C3%BCche.pdf/7&oldid=- (Version vom 1.8.2018)