Seite:Gottfried August Bürger Gedichte 1778.pdf/285

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
205
     „Schlaf süs! Schlaf wol!“ Da schlüpft’ er hinaus;

Ihm fuhren durch’s Leben Entsezen und Graus;
Es roch ihm wie Leichen; er stolpert’ entlang,
Beim Schimmer des traurigen Lämpchens, den Gang.

     Hui! sprangen die Beiden vom Winkel herbei,

210
Und bohrten ihn nieder mit dumpfem Geschrei:

„Da! hast du gefrei’t um den Thron von Burgund,
Da hast du die Mitgift! da hast du sie, Hund!“ –

     „O Jesu Maria! Erbarme dich mein!“ –
Drauf hülte sein brechendes Auge sich ein.

215
Ohne Beicht’, ohne Nachtmal, ohn’ Absolution,

Flog seine verzagende Seele davon.

     Der Prinz von Hispania, schäumend vor Wut,
Zerhieb ihm den Busen mit knirschendem Mut:
„Weis her mir dein Herzchen! Ach! pocht ja so sehr! –

220
Hast lieb gehabt, Herzchen? Hab’s Morgen Nacht mehr!“

Empfohlene Zitierweise:
Gottfried August Bürger: Gedichte. Johann Christian Dieterich, Göttingen 1778, Seite 222. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gottfried_August_B%C3%BCrger_Gedichte_1778.pdf/285&oldid=- (Version vom 1.8.2018)