Seite:Gräfin Trixchen.pdf/12

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während ein breiter Westengürtel die blauen Beinkleider festhielt, ihr gegenüber.

Sein eckiges, bartloses und wie aus Stein gemeißeltes Gesicht, in dem eine starke, unschön geformte Nase über einem breiten Munde mit schmalen Lippen saß, verriet auch nicht eine Sekunde etwas wie Überraschung über diesen seltsamen Besuch. Seine Verbeugung war nur knapp, mit der er das junge Mädchen begrüßte, und ebenso kurz war der Satz, mit dem er sie empfing:

„Sie wünschen, gnädiges Fräulein?“

Margot Bellersen kannte seine Art und fühlte sich daher in keiner Weise verletzt. Mit dem Maße, mit dem man Dutzendmenschen mißt, durfte man sich an Fritz Norgard nicht heranwagen.

„Ich möchte Sie auf eine Enttäuschung vorbereiten, Herr Norgard,“ sagte sie, indem sie sich an das Geländer des Steges lehnte und ihn dabei unverwandt anschaute. „Soeben erfuhr ich von meinem Vater, daß Gerbert Prokura erhalten soll.“

Seine Lippen preßten sich einen Moment so fest aufeinander, daß der Mund nur noch als ein schmaler Strich erschien. Dann streckte er ihr die Hand hin.

„Ich danke Ihnen, gnädiges Fräulein. Sie haben mir mit dieser Mitteilung insofern einen großen Dienst erwiesen, als ich es nun so einrichten kann, daß morgen meine Kollegen um die kleine Freude kommen, mich bitter enttäuscht zu sehen. Sie lieben mich ja alle nicht. Ich werde den Gleichgültigen spielen, obwohl ich es dieser Tatsache gegenüber wirklich nicht sein kann.“

Ihre Hände, die einen Augenblick ineinander geruht hatten, lösten sich wieder.

„Sie hatten also gehofft,“ meinte Margot, seine schlanke, muskulöse Gestalt mit schnellem Blick überfliegend.

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/12&oldid=3325304 (Version vom 1.8.2018)