Seite:Gräfin Trixchen.pdf/14

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diese im vorigen Jahre in den Museen der Tiberstadt in Marmor gehauen bewundert hatte. –

Fritz Norgard erhielt auf seine letzte Bemerkung, die wohl eine Erwiderung erheischt hätte, keine Antwort. So hatte er also richtig vermutet: den Sohn des Zuchthäuslers wollten seine Chefs nicht mit so weitgehenden Vollmachten ausstatten! Deswegen war er übergangen worden. Und Margot Bellersen liebte eben die Wahrheit zu sehr, um diesen ihr fraglos bekannten Hauptgrund für die Ausschaltung seiner Person irgendwie zu bestreiten.

Die beiden, die sich auf dem schmalen Stege gegenüber standen, schwiegen jetzt eine geraume Weile. Jedes hing seinen eigenen Gedanken nach. Schließlich wurde Margot diese drückende Stille jedoch lästig. Und so fragte sie denn, indem sie ihren roten Schirm öffnete, da die Sonne eben hinter der am westlichen Horizont lagernden Wolkenwand hervortrat:

„Wie geht es eigentlich Ihrem Schützling, Herr Norgard? Haben Sie mit meinem Vater noch nicht gesprochen, damit dieser ihm etwas bei seinem Fortkommen hilft?“

„Ich suchte Ihren Herrn Vater allerdings für Gerhard Sicharski zu interessieren, hatte damit aber wenig Glück. Sie wissen ja, gnädiges Fräulein, der Balkankrieg hat uns viele geschäftliche Ungelegenheiten gebracht, und da mag Herr Bellersen wohl den Kopf mit anderen Dingen allzu voll haben.“

Margot nickte zerstreut. Sie hatte diese Zwischenfrage ja nur als Übergang auf ein anderes Thema benutzen wollen. Etwas zögernd sagte sie nun:

„Waren es eigentlich völlig undurchführbare Ideen, Herr Norgard, für die Ihr armer Vater seinen ehrlichen Namen preisgab? – Verzeihen Sie schon meine Indiskretion. Aber ich kann mir nicht recht vorstellen,

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/14&oldid=3325306 (Version vom 1.8.2018)