Seite:Gräfin Trixchen.pdf/28

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dieser schnelle Entschluß. Es trieb sie jetzt förmlich nach Hause. Am besten war es wohl, wenn sie das sofort ausführte, was sie vor hatte. Sonst kamen ihr inzwischen vielleicht wieder allerlei Bedenken.

Und so erklärte sie dem jungen Manne denn ziemlich unvermittelt, daß sie schleunigst aufbrechen müsse.

„Ich denke soeben daran. Ich habe ja daheim noch einen Geburtstagsbrief an eine Pensionsfreundin[1] zu schreiben,“ log sie tapfer, obwohl ihrer geraden, aufrichtigen Natur jede Unwahrheit verhaßt war.

Gerhard merkte sehr gut, daß dies nur ein vorgeschobener Grund war. Und mit ehrlich betrübtem Gesicht schaute er sie an, als sie ihm ihre zarte Hand zum Abschied reichte.

„Habe ich Sie durch irgend etwas verletzt, gnädigges Fräulein?“ fragte er ängstlich.

Sie schüttelte eifrig den Kopf.

„Nein. Höchstens dadurch, daß Sie mich trotz meiner Bitte noch immer mit gnädiges Fräulein anreden. Beatrix heiße ich, und für meine guten Bekannten einfach und schlicht – „Fräulein Trix“! Merken Sie sich das! – Und nun – leben Sie wohl. Übermorgen bin ich wieder hier.“

Fröhlich und leichten Herzens verließ Gerhard Sicharski die Ausstellungsräume. Hatte er doch heute wie so oft schon aus gelegentlichen Gesprächen mit Beatrix v. Sarma neuen Mut und neue Zuversicht für sein ehrgeiziges Vorhaben, sich durch eisernen Fleiß eine angesehene Stellung und Reichtum zu erwerben geschöpft. Ein hohes Ziel schwebte ihm ja außerdem noch vor. Und dieses Ziel war nichts geringeres als dieselbe junge Dame, deren freundschaftliche Teilnahme ihm ein Spiel des Zufalls vermittelt hatte.





  1. Vorlage: Pensionsfreundie
Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/28&oldid=3325321 (Version vom 1.8.2018)