Seite:Gräfin Trixchen.pdf/32

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„Es ist ein ganz neuartiger Flugmaschinen-Motor, den er konstruiert hat,“ erzählte sie mit vor Eifer geröteten Wangen. „Er will ein Patent darauf nehmem. Und sein Freund Norgard, ein Bankbeamter, der bei uns hier im Gartenhause wohnt, hat gemeint, er könnte damit ein schwerreicher Mann werden, eben wenn der Motor sich bewähren sollte.“

Beatrix machte eine kleine Pause. Sofort benutzte Frau v. Sarma die Gelegenheit, um mit einem forschenden Blick in das Gesicht ihrer Jüngsten zu fragen:

„Und das alles hat der junge Mensch Dir in der halben Stunde anvertraut, Kind? – Oder habt Ihr Euch nachher auch noch anderswo gesprochen?“

Beatrix senkte zunächst den Kopf. Dann aber blickte sie die Mutter offen an und erwiderte:

„Du weißt, Mama, ich lüge nicht gern. Und deshalb erspare mir eine Antwort und begnüge Dich damit, daß ich Dir versichere, daß uns lediglich abermals ein Zufall zusammengeführt hat.“

Doch die Gräfin gab sich damit nicht zufrieden.

„Kind, ich muß klar sehen in dieser Sache,“ meinte sie ernst. „Der Eifer, mit dem Du den jungen Sicharski hier mir gegenüber als ein seltenes Talent hinstellst, kommt mir recht verdächtig vor. Es wäre ja nicht das erste Mal, daß – daß die Liebe zwischen zwei völlig ungleichen Menschen, was die gesellschaftliche Stellung anbetrifft, zarte Bande gewoben hätte, die, wenn sie erst zu stark geworden sind, sich schwer zerreißen lassen. – Ich bin ganz offen, Kleines. Wozu auch um den Kernpunkt einer Sache herumreden?! Also – in dem Bewußtsein, daß Dir hier vielleicht eine Gefahr droht, eine Gefahr, die Deinen Seelenfrieden stören und Dich unglücklich machen könnte, will ich und darf ich mich mit Andeutungen nicht abspeisen lassen. Du kennst Deinen Vater, Kleines. Nie würde er

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Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/32&oldid=3325326 (Version vom 1.8.2018)