Seite:Gräfin Trixchen.pdf/44

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Nähe des Geschäftes wohnte, die nicht gern allein sein wollte und von dem jungen Mädchen daher nur einen ganz geringen Pensionspreis forderte.

Gertrud Sicharski stand mit ihrem Bruder auf sehr gutem Fuße und beglückwünschte ihn sofort herzlich zu der Geldsumme, die ihm nunmehr ein energisches Betreiben seiner Studien ermöglichen würde. Als bei der nun folgenden Unterhaltung, an der sich nur der alte Sicharski nicht beteiligte, gelegentlich Fritz Norgards Name genannt wurde, huschte eine flüchtige Röte über Gertruds feinliniges Gesicht, was ihre Mutter mit einer gewissen Genugtuung feststellte.

Das junge Mädchen hatte heute seinen freien Nachmittag und blieb daher auch zum Mittagessen da. Die Portionen fielen, weil sie nur für drei berechnet waren, infolgedessen etwas knapp aus. Gertrud wollte dies aber dadurch wieder ausgleichen, daß sie schnell noch nach der nahen Konditorei hinüberlief und zum Nachtisch einige Stückchen Obsttorte mit Sahne einkaufte, die im Verein mit dem von Gerhard gespendetem echten Bier, der Mahlzeit das Gepräge einer bescheidenden Feier gab. Nachher mußte sich dann Frau Sicharski in ihren Sonntagsstaat werfen und ihre Tochter begleiten.

„Wir werden in die Vorstadt mit der Elektrischen fahren und dort einen Kaffeegarten besuchen,“ erklärte Gertrud resolut. „Das Wetter ist heute so prächtig und Mutter muß einmal an die frische Luft. Um halb sechs sind wir wieder hier. Dann kannst Du ausgehen, Vater, wenn Du Lust hast, und wir beide sehen hier nach dem Rechten.“

Nachdem die beiden Frauen sich entfernt hatten, suchte Gerhard sein Zimmer wieder auf. Bis fünf Uhr arbeitete er ohne Unterbrechung. Dann kleidete er sich zum Ausgehen an, um Fritz Norgard nach Geschäftsschluß

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Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 44. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/44&oldid=3325338 (Version vom 1.8.2018)