Seite:Gräfin Trixchen.pdf/57

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wußte, daß Margot eine viel zu real denkende Natur war, um ihm hier lediglich Phrasen aufzutischen.

„Erzähle, Kind!“

„Es wird ein etwas langer Bericht werden,“ sagte sie gelassen, verließ ihren Platz am Schreibtisch und setzte sich in den anderen Sessel nieder. – „Weißt Du, daß Ernst Norgard, Dein einstiger, später im Zuchthaus verstorbener Freund, einen Bruder besaß?“

Der Bankier nickte eifrig. In Gedanken überlegte er sich schon, daß dieser Bruder vielleicht mit der „großartigen Spekulation“ irgendwie in Zusammenhang stehen könne. Laut aber erwiderte er:

„Ich habe den Mann selbst noch kennen gelernt. Er war so etwas wie ein internationaler Abenteurer, ein Mensch, der in jedem Beruf gearbeitet und es doch zu nichts gebracht hatte. Ich glaube er hieß mit Vornamen Heinrich.“

„Sehr richtig. Und er starb in einem Hamburger Krankenhause an einer Lungenentzündung, kurz nachdem er nach jahrelanger Abwesenheit aus Nordamerika heimgekehrt war.“

Wieder nickte Thomas Bellersen. Und dann sagte er ungeduldig „Lassen wir aber dies Frage- und Antwortspiel, Kind. Du hast mich neugierig gemacht. Dieses tropfenweise Beibringen einer interessanten Kunde liebe ich nicht.“

„Du bist jetzt ja auch orientiert, Pa. Also – dieser Heinrich Norgard war eigentlich seines Bruders böser Engel. Er brachte nämlich aus den Vereinigten Staaten ein wertvolles Geheimnis mit nach Europa hinüber, das er seinem einzigen Bruder anvertraute und zwar in der Absicht, mit diesem gemeinsam die Ausbeutung der von ihm entdeckten reichen Petroleumquellen vorzunehmen.“

Der Bankier schnellte ordentlich aus seinem Sessel empor.

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 57. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/57&oldid=3325352 (Version vom 1.8.2018)