Seite:Gräfin Trixchen.pdf/58

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

„Petroleumquellen?!“ fragte er stockend.

„Allerdings. – Höre die Einzelheiten. Heinrich Norgard war im letzten Jahre vor seinem Tode Petroleum-Prospekter, der auf eigene Faust Bohrversuche anstellte und, wenn er irgendwo eine einigermaßen ergiebige Quelle fand, seine Anrechte an größere Gesellschaften verkaufte. Das Glück war ihm jedoch nur in geringem Maße hold. Und das, was er erübrigte, opferte er immer wieder ebenso schnell seiner tollen Spielleidenschaft. Da stieß er eines Tages auf einer großen Farm im nordamerikanischen Staate Montana auf ein Öllager, das nach seiner Schätzung ungeheuer groß sein mußte und das er, ohne einem Menschen etwas zu verraten, durch sorgfältige Bohrungen, auf Grund seiner Erfahrungen, als einen unterirdischen Ölsee von ungeheuren Abmessungen feststellte. Wie die Petroleum-Prospekter solche Öllager genau ihren Abmessungen nach festlegen, weißt Du ja. In den Bohrern, die bisweilen bis zweitausend Meter Tiefe in die Erde getrieben werden, fördern sie Erdproben nach oben, die, je nachdem sie mit Petroleum durchtränkt sind, die Nähe eines Ölreservoirs anzeigen. Die Erdproben auf jener Farm nun bewiesen klar, daß es sich dort nicht um eine Durchschnittsquelle, sondern um eine wirklich fabelhaft reiche Ölablagerung handelte. – Heinrich Norgard war schlau genug, dem Besitzer der Farm gegenüber seine Bohrversuche als ergebnislos hinzustellen. Er verkaufte dann seine Maschinen, entließ seine wenigen Arbeiter und kehrte nach Europa zurück, um hier mit seinem in geschäftlichen Dingen weit erfahreneren Bruder des weiteren zu beraten. Vierzehn Tage nach seiner Heimkehr starb er jedoch und hinterließ Ernst Norgard als wertvolles Erbe das Geheimnis jener Ölquelle in Montana. Ernst Norgard, der von ihm in die näheren Verhältnisse genau

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 58. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/58&oldid=3325353 (Version vom 1.8.2018)