Seite:Gräfin Trixchen.pdf/6

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„Du irrst, Pa. Mein Herz spricht bei diesem Interesse für Norgard vorläufig noch nicht mit. Vorläufig! Mithin gebe ich die Möglichkeit zu, daß ich vielleicht mehr für ihn empfinden könnte, wenn ich eben häufiger Gelegenheit hätte, mit ihm zusammen zu kommen und auch seinen Charakter zu prüfen. Was aber seine Häßlichkeit anbetrifft, nun, in dieser Beziehung pflegen Frauen anders zu urteilen als Männer. Es gibt eine Häßlichkeit, die man auch Eigenart nennen kann.“

Der Bankier schüttelte mit einem Lächeln, das ebenso ironisch wie geringschätzig war, den Kopf.

„Deshalb laufen ja auch unsere deutschen Mädchen so gern allerhand exotischem Gesindel nach!“ sagte er schneidend. „Eigenart! Lächerlich! – Doch – wozu ereifere ich mich? Ich kenne meine Tochter viel zu gut, als daß ich fürchten müßte, sie würde die Extravaganz so weit treiben und dem Sohne eines – Zuchthäuslers ihr Herz schenken.“

Margots Kopf fuhr empor.

„Eines Zuchthäuslers?“ fragte sie hastig. „Aber – davon weiß ich ja bisher merkwürdigerweise nichts, kein Wort hast Du darüber erwähnt –“

„Nun – Norgards Familienverhältnisse kennt hier außer mir nur noch mein Kompagnon Hord. Und wenn ich heute darauf näher eingehe, so geschieht es nur, um Dich rechtzeitig zu warnen. Natürlich verlange ich von Dir strengstes Stillschweigen. – Höre also, inwiefern Fritz Norgard mir näher steht als Du ahnst. – Als ich als Volontär bei Brachholz in Hamburg tätig war, verkehrte ich viel in der Familie des jungverheirateten dritten Kassierers dieser Firma. Schließlich entwickelte sich zwischen mir und jenem Ernst Norgard – daß dies der Vater meinem jetzigen Angestellten ist, wirst Du wohl schon ahnen – eine

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Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/6&oldid=3325355 (Version vom 1.8.2018)