Seite:Gräfin Trixchen.pdf/67

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um jede weitere Einmischung von seiner Seite zu verhüten.

Inzwischen hatte die Gräfin dem jungen Manne die notwendigen Erklärungen gegeben. – „Wir sahen uns heute genötigt,“ hatte sie gesagt, „unsere Zofe Hedwig plötzlich zu entlassen. Aus Ärger darüber, hat das Mädchen meinem Gemahl alles das erzählt, was es durch heimliches Spionieren über Ihren harmlos freundschaftlichen Verkehr mit Beatrix erfahren hatte, so, daß Sie einige Male mit meiner jüngsten Tochter in der Ausstellung waren und sich dort unterhalten haben. Mir war das ja nichts neues mehr. Vor ihrer Abreise nach Dresden hatte Beatrix mir ehrlich eingestanden, auf welche Weise sie Sie kennen gelernt und wie diese Bekanntschaft dann fortgesetzt wurde. Ich hielt es danach im Interesse meinem Kindes, das die Verhältnisse bei seiner Jugend noch nicht richtig zu überschauen vermag, für angebracht, Beatrix für längere Zeit fortzuschicken. Damit war die Angelegenheit für mich erledigt. Ich wünschte nur, Herr Sicharski, daß mein Gemahl sich von Ihnen die Versicherung geben ließ, daß zwischen Ihnen und Beatrix auch nicht die Spur von einer – bezeichnen wir es recht deutlich – von einer Liebelei bestand.“

Als die Gräfin schwieg, beeilte sich Gerhard sofort zu erwidern:

„Exzellenz haben vollkommen recht: von einer Liebelei kann keine Rede sein. Fräulein Beatrix ist mir nichts wie eine wohlmeinende, gütige Freundin gewesen, die sich für meine Studien interessierte und mir, wenn ich bisweilen kleinmütig verzagen wollte, Mut zusprach. Trotzdem will ich nicht verhehlen, daß in meinem Herzen eine reine Neigung für die Komtesse schlummert, eine Neigung, der ich jedoch niemals, weder durch Wort noch bewußten Blick, Ausdruck gegeben habe.“ Gerhard hatte sich in einen heiligen Eifer

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Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 67. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/67&oldid=3325363 (Version vom 1.8.2018)