Seite:Gräfin Trixchen.pdf/88

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Ruhe in der Natur, die das Gemüt jedes Menschen mit einer gewissen Andacht erfüllen mußte. So erging es auch Gustav Burmeester, der eine fast rührende Freude über diese Wanderung an der Seite des schönen, vielbegehrten Weibes empfand und über die weiße Schneeschicht und die ganze Winterlandschaft gar nicht genug preisende Worte äußern konnte. Margot war diese Schwärmerei herzlich langweilig. Sie gab nur einsilbige Antworten, spielte die Verträumte und sann doch nur fortwährend darüber nach, wie sie ihren Begleiter zu etwas realeren Dingen hinlenken konnte. Sie wollte heute eine Erklärung erzwingen, auf jeden Fall! Für ihren Geschmack zögerte der junge Millionär schon viel zu lange mit dem entscheidenden Wort.

Leise seufzte sie auf. Und dieser fast sehnsüchtige Ton, der sich über ihre Lippen drängte, gab Gustav Burmeesters Denken eine neue Richtung.

Besorgt schaute er sie an. „Das klang ja eben wie ein Ausdruck stillen Kummers, Fräulein Margot,“ meinte er, indem er stehen blieb. „Darf man viel-leicht erfahren, was Sie bedrückt?“

„Stiller Kummer – das ist wohl nicht ganz der richtige Ausdruck für das, was mich bewegt,“ erwiderte sie zögernd, und berechnete klug die Wirkung eines jeden Wortes. „Ich dachte nur eben daran, wie schlecht doch die Welt im allgemeinen ist. Nicht einmal so ein harmloses Vergnügen wie unsere gelegentlichen, gemeinsamen Autofahrten gönnt sie einem jungen Mädchen.“

Er war aufmerksam geworden.

„Wie soll ich das verstehen, Fräulein Margot?“ fragte er schnell. „Nicht gönnen?! Wer hatte Ihnen denn in dieser Hinsicht Vorschriften zu machen?“

Noch immer hielt sie die Augen gesenkt wie in mädchenhafter Schüchternheit.

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Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/88&oldid=3325385 (Version vom 1.8.2018)