Seite:Gräfin Trixchen.pdf/9

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trotz aller für Norgard überaus günstigen Zeugenaussagen aufrecht erhielt. Jedenfalls habe ich meinen früheren Freund nie für einen direkten Verbrecher gehalten. Er war nur ein charakterschwacher, ehrgeiziger Phantast, ein Mensch, der stets davon sprach, daß ihm noch einmal Millionen in den Schoß fallen würden.“

„Merkwürdig!“ meinte das junge Mädchen sinnend. „Was mag er nur für Pläne gehabt haben? Hat er sich Dir nie anvertraut?“

„Nie. Er war bei all seiner Liebenswürdigkeit recht verschlossen.“

„Und Fritz Norgard sieht ihm so sehr ähnlich, sagtest Du?“

„Vollkommen. Sogar der braune Fleck am Kinn hat sich vom Vater auf den Sohn weitervererbt. Daher nannte ich dieses Mal auch vorhin ein Kainszeichen. Nun – hoffentlich gleicht unser jetziger Kassierer seinem Erzeuger nicht auch in der Charakterveranlagung. Ehrgeizig ist Fritz Norgard ja auch über die Maßen. Aber sonst halte ich ihn für einen kühl abwägenden, nüchternen Menschen.“

„Doch wohl auch für einen zuverlässigen?“ meinte Margot, indem sie wieder das nervöse Spiel mit den Kuchenkrümeln begann.

Der Bankier zog die buschigen Augenbrauen, die seltsamerweise eine bedeutend dunklere Farbe als das Kopf- und Barthaar besaßen und dem Gesicht einen Ausdruck von finsterer Strenge verliehen, vielsagend hoch.

„Sogar für sehr zuverlässig,“ erwiderte er mit eigentümlicher Betonung „Ein Kassierer, der so auffallend aussieht wie Norgard und zudem noch im Antlitz eine so mustergültiges „besonderes Kennzeichen“ mit sich herumträgt, ist ja schon deshalb eine seltene

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Walther Kabel: Gräfin Trixchen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1922, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gr%C3%A4fin_Trixchen.pdf/9&oldid=3325387 (Version vom 1.8.2018)