Seite:Grandison der Zweite 2.pdf/34

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habe, als Sie selbsten. Ja ja, das war eine Probe ihrer Staatsklugheit, daß sie Ihnen den Brief des Herrn v. N. verheelen wollte, sie dachte an das alte Sprüchwort: petit à petit l’oiseau fait son nid. So ist es! Aus einem kleinen Funken entstehet oft ein großes Feuer.

Aber sagen Sie mir doch, warum Sie immer bereit sind, Ihrer Stiefmutter einen blinden Gehorsam zu leisten, nicht anders, als wenn sie Ihre Priorin wäre, sie kann Sie doch nicht mit der Katze essen lassen, wenn Sie es nicht thun? Sie befiehlt, und Sie erfüllen ihre Befehle pünktlich, auch da, wo es Ihnen viel beschwerlicher wird, ihr Gehorsam zu leisten, als wenn Sie ihr solchen versagen. Meine Stiefmutter dürfte sie nicht seyn. Der blinde Gehorsam, was für ein verhaßtes Wort! Doch vielleicht würde sich meine Gemüthsart besser für sie schicken, als die Ihrige. Nach einem kleinen Hauskriege von vierzehn Tagen würden wir die besten Freunde seyn. Wagen Sie es einmal,

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 2. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1761, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_2.pdf/34&oldid=- (Version vom 1.8.2018)