Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/171

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Um diese wunderbaren Erscheinungen zu erklären, muß man wissen, daß alles, womit sich die Mode beschäftiget, das äußerliche oder das innerliche des Menschen betrifft. Zu der ersten Gattung gehöret die Kleidertracht, allerlei Gebräuche und Gewohnheiten, die zum Nutzen oder zum Vergnügen und der Verschönerung des Körpers erfunden werden. Zu der zweiten Gattung aber wird alles das gerechnet, was die Seele und ihre Eigenschaften, als Verstand, Willen und Gedächtniß betrifft. Giebt die Mode ein Gesetz von der ersten Gattung, so werden diejenigen, die darwider handeln, gelinder bestraft; wenn sie aber etwas feste setzt, daß den zweiten Punkt betrifft, so straft sie die Uebertreter ihrer Gesetze aufs strengste. Gesetzt sie will, daß der Verstand etwas als wahr oder falsch erkennen soll, daß der Wille etwas verlangen oder verabscheuen, oder das Gedächtniß etwas behalten oder vertilgen soll; so muß dieses aufs genaueste befolgt werden, oder sie übt die strengste Rache an den Ungehorsamen.

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 169. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/171&oldid=- (Version vom 1.8.2018)