Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/232

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wohl wird bekannt seyn, eine alte Regel und auch eine löbliche und herrliche Gewohnheit, die aber, leider, nicht allezeit beobachtet, sondern vielmehr von der muthwilligen Jugend aus den Augen gesetzt und verachtet wird. Leute die es besser verstehen, haben diese Vorschrift beständig vor Augen, sie ehren nicht nur die Alten, sondern auch alles was alt ist, oder doch von den lieben Alten herstammt. Meine selige Großmutter hatte noch eine Patrontasche aus dem dreißigjährigen Kriege, die ein Soldat, der bei ihr im Quartier gelegen, vergessen hatte, diese hielt sie in solchen Ehren, daß sie keinem andern Behältniß als dieser ihr altes Geld anvertrauen wollte, und in der Erbschaft ist darüber ein solcher Streit entstanden, daß der Proceß viele Jahre gedauert hat, nachdem aber Richter und Advocaten sich in das alte Geld, das in solcher gewesen, ganz friedlich getheilet, ist die leere Patrontasche bei der Familie geblieben, wie denn solche noch bei mir als eine Seltenheit zu sehen ist. Das Alter ist klüger als die

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 230. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/232&oldid=- (Version vom 1.8.2018)