Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/259

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

nichts böses zutrauete, so verstattete ich Ihnen dann und wann, zu Ihrer eignen Uebung eine Predigt abzulegen, und diese Gefälligkeit, die ich Ihnen hierinne erwies, rücken Sie mir nun mit Unrecht als eine große Dienstleistung auf. Wenn ich gewußt hätte, was in Ihrem Herzen verborgen war, so hätte ich Sie niemals die Canzel betreten lassen, noch vielweniger würde ich die theuren Pfänder meiner Ehe Ihrem Unterrichte anvertrauet haben. Meinen Sohn haben Sie völlig verdorben, er disputirt mit mir oftmals von Dingen, die gar nicht in seinen Kram gehören, und wenn ich ihn frage, wo er die verdammten ketzerischen Argumente her hat, die er mir vorleget, so giebt er zwar vor, daß er diese schönen Sächelgen auf der Universität gelernet habe: aber ich weiß es besser, von Ihnen kommt dieser Unrath. Unsere Universitäten sind, Gott Lob, noch nicht so verderbt, wie es ehemals die hohe Schule zu Paris war, wo der Satan in eigener Person soll gelehret haben. Wenigstens kann ich mir nicht einbilden, daß

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 257. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/259&oldid=- (Version vom 1.8.2018)