Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/271

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zuwider, sondern haben mit jedermann Friede und bücken sich vor dem ärmsten eben so tief als vor Reichen und Vornehmen. Gegen das Frauenzimmer sind sie selten unempfindlich, sie verehren das schöne Geschlecht vielmehr aufs äußerste. Wenn sie sich verheirathen, so haben ihre Gebietherinnen bei ihnen die beste Zeit, ob sie gleich allen Mannspersonen bei der Trauung die Erlaubniß geben, über ihre Weiber zu herrschen, so begeben sie sich dieses Vorrechtes gemeiniglich freiwillig, und beobachten gegen sie einen genauen Gehorsam. Daher kommt es, daß die Weiber der Geistlichen, weil es ihnen so wohl gehet, allezeit hübsch bleiben und niemals vor der Zeit alt werden. Die Ehen der Geistlichen sind auch ordentlich sehr gesegnet und dauren gemeiniglich lange. Ueberhaupt ist es eine allgemeine Anmerkung, daß man ein Frauenzimmer, das einen Geistlichen geheirathet hat, niemals hat klagen hören. Die Rechtsgelehrten sind von ganz anderm Schlage. Anstatt daß alle übrigen Wissenschaften

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 269. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/271&oldid=- (Version vom 1.8.2018)