Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/291

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mich wenn ich vernehme, daß jemand in meinem Gerichtsbezirk einen Strohhalm sich zueignet, der ihm nicht gehöret, und sie wollen sich das Herz eines Frauenzimmers zueignen das der Herr Magister gebildet hat, und darauf er bereits ein jus quaesitum zu haben glaubt? Anstatt über diesen Vortrag zu erschrecken fing er an abscheulich zu lachen, wodurch ich noch mehr entrüstet wurde, aber er ließ es hierbei nicht bewenden, er fing an sich so geschickt zu vertheidigen und den statum controversiae dergestalt zu formiren, daß ich den Leviten im Sinne behalten mußte, den ich ihm zu lesen gedachte, und nur froh war, daß er nicht von mir verlangte alles was er gethan hatte, gut zu heißen. Patron, sagte er, der Herr Lampert muß in der Liebe und in der Kenntniß des menschlichen Herzens, sehr unerfahren seyn, so gelehrt er auch aussiehet, wenn er glaubt daß ihn Hannchen jemals mit ihrer Gunst beehret hat. Sie ist ihm schon gram gewesen da sie noch bei ihm in die Schule gegangen ist, und nachher da er angefangen hat ihr dann und wann etwas verbündliches nach seiner Art zu sagen, ist er ihr ganz unerträglich worden. Sie hat ihm mehr als einmal mit dürren klaren Worten gesagt, daß sie lieber den Nachtwächter als

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Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 289. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/291&oldid=- (Version vom 1.8.2018)