Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/293

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beten, in acht Tagen sollte ich darauf selbst nach Kargfeld kommen und das Jawort in eigener Person abholen. Der Herr Pastor siehet schon im prophetischen Geiste voraus daß unsre Heirath im Himmel gemacht ist, deswegen weiß er bereits die Wirkung seines Gebetes und hat mir schon einen Termin beschieden, die Sache ins reine zu bringen. Ich gestehe Ihnen, werther Freund, daß ich über diese Dinge, welche mein Gerichtshalter vorbrachte noch bestürzter war als über Ihren Brief, vorhero hatte ich Ihnen vollkommen Recht gegeben und war auf ihrer Seite, nun schien es, daß Ihr Rival ein besseres und gegründeter Recht als sie zu dem strittigen Frauenzimmer hätte. Inzwischen wollte ich Ihre Parthie nicht sogleich verlassen, und ersuchte ihn mir den Gefallen zu erweisen, von dieser Heirath abzustehen und Ihnen die Beute zu überlassen: er beschwor, mich aber bei dem Triebe zur Gerechtigkeit, den ich von meinen Ahnen ererbet hätte, keine solche Ungerechtigkeit gegen ihn zu begehen und meine Vorfahren dadurch in der Erde zu beschimpfen. Ich würde, wenn ich unpartheiisch dächte, selbst erkennen, daß er seine Braut mit dem besten Recht besäße, und drang so heftig auf den angeführten juristischen Canon, daß ich nicht ein Wort gegen ihn aufbringen konnte. Ich fand

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 291. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/293&oldid=- (Version vom 1.8.2018)