Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/302

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Werther Freund,

Sie machen mir die Zeit ziemlich lang, ehe Sie mir einmal wieder Lection geben, wie ich in meiner Liebe gute Progressen machen soll. Ich habe Ihnen, denke ich, Zeit genug gelassen Mittel und Wege ausfündig zu machen, wie ich am füglichsten zu meinem Zwecke gelangen kann, wenn Sie noch nichts erfunden haben so rühmen Sie sich nicht, daß Sie sinnreich sind. Ich glaubte nicht, daß ich das alte Jahr als ein Junggeselle beschlüßen würde, und war meiner Sache so gewiß, daß ich nicht mehr daran zweifelte. Sie wissen, daß ich meine Unternehmungen gern bald zu Stande bringe, bald dazu und späte davon das ist mein Wahlspruch. Sie haben eine große Gabe zu zaudern, es gehet mit ihren Rathschlägen und Unternehmungen so langsam als auf dem Reichstage zu. Es wäre kein Wunder, wenn ich alt und grau über meiner Freierei würde. Machen Sie, daß die Sache zu Stande kommt, oder ich thue zweierlei, Sie verliehren an mir einen Mündel, der sich Ihrer Sorgfalt in der wichtigsten Angelegenheit seines Lebens anvertrauet, und ich wende mich an den Baronet und nehme Ihn zum Führer an. Er soll mir eine Vorschrift schicken, wie ich meinen Angriff auf das Mädchen

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 300. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/302&oldid=- (Version vom 1.8.2018)