Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/307

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gleichsam vergessen habe, so dürfen Sie deswegen nicht glauben, daß ich diese Zeit über ganz und gar müßig gewesen bin: ich habe vielmehr für Sie sehr vieles gethan, und will Ihnen jetzo davon Rechenschaft ablegen. Mein Stillschweigen hat keine andere Absicht gehabt, als Ihre Gedult zu prüfen, und Sie hätten nur noch einige Tage aushalten sollen, so würden Sie Ihre Probe gut gemacht haben. Dem ungeachtet verdienen Sie vieles Lob, daß Sie über 14. Tage lang sich haben patientiren können, ohne einen Angriff auf Ihre Schöne zu thun, und ich werde Ihnen bald verstatten, einen neuen Versuch zu wagen. Das Fest scheinet hierzu keine unrechte Gelegenheit an die Hand zu geben, und ein Geschenk zum heilgen Christ dürfte Ihnen bei dem Fräulein gute Dienste leisten. Ich will mich hierüber hernach weitläuftiger erklären, und mich jetzo nur wegen meines Stillschweigens rechtfertigen, auch zugleich Ihnen einige neue Anmerkungen, die ich diese Zeit über gemacht habe, mittheilen, welche Ihnen bei Ihrem Vorhaben vermuthlich sehr nützlich seyn werden. Um nach dem jetzigen Geschmack ein vollkommener Liebhaber zu seyn, muß man im Anfang der Liebe einen Schüler des Pythagoras vorstellen, dieser Weltweise ließ seine Nachfolger

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 305. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/307&oldid=- (Version vom 1.8.2018)