Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/309

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ein Schminkpflästergen, oder eine andre Kleinigkeit, die aber doch jederzeit von dem Liebhaber höher als alle Schätze des Kaisers von Abyßinien müssen geschätzet werden. Nachdem man diese Sprache genug gebrauchet hat, so bedienet man sich erstlich der Zunge oder der Feder, man wiederholt das, was man schon zehnmal gesagt hat, und man erhält die Antwort, die man auch bereits schon einige mal erhalten hat. Sie stehen, wo ich mich nicht irre, noch in dem ersten Grade der Liebe, und ich halte noch nicht für rathsam, daß Sie Ihr Wort, das Sie schon einigemal zur Unzeit mündlich angebracht haben, so frühzeitig auf diese Art erneuern, sie würden sich davon nicht die geringste gute Folge zu versprechen haben. Ich erlaube Ihnen unterdessen, da Sie mit dem Munde noch eine Zeitlang das genaueste Stillschweigen beobachten, der Sprache der Augen sich mit Vortheil zu bedienen, und wenn dem Fräulein nicht gefällt, auf diese Art sich mit Ihnen zu besprechen, die Beredsamkeit der Geschenke anzuwenden. Obgleich das Fräulein sehr stoische Gesinnungen zu haben scheinet, so ist sie doch ein Frauenzimmer, und dieses macht mir Hoffnung, daß sie endlich hierdurch sich wird überwinden lassen. Sehen Sie, das sind die Regeln, welchen ich in einem Zeitraume

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 307. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/309&oldid=- (Version vom 1.8.2018)