Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/318

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Diese Vermuthung ist nicht unwahrscheinlich, er ist in seiner Liebe bei der Jungfer Wendelin unglücklich gewesen, den größten Philosophen verläst seine Philosophie, wenn er ein unglücklicher Liebhaber wird, er denkt auf Rache, wenn er auch übrigens so zahm ist wie ein Lamm. Das Schwerd meines Gerichtshalters hält das seinige in der Scheide, daß er sich öffentlich weder an ihn, noch an seine Braut wagen darf; er ist also vermuthlich darauf bedacht gewesen, auf eine verborgene Art sich zu [r]ächen und dem Pfarrer eine Grube zu graben. Vielleicht hat er sich einmal in die Kirche schließen lassen, und das Monument selbst beschädiget, welches er nun auf die Rechnung des Pfarrers schreibt. Glauben Sie nur, Herr Wendelin ist ein ehrlicher Mann, der für Leid in die Grube fahren würde, wenn er die boshafte Beschuldigung wüßte. Lassen Sie sich, wenn Sie meinem Rathe folgen wollen, gegen ihn nichts merken und übergehen sie die ganze Sache, die ohnedem eine Kleinigkeit ist, mit Stillschweigen. So gern ich wünschte, Ihr Verlangen zu erfüllen, und meinen Gerichtshalter zu überreden, seiner Rechte auf Hannchen, die bereits seine Braut ist, zum Vortheil des Herrn Lamperts sich zu begeben; so wenig bin ich im Stande, dieses

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 316. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/318&oldid=- (Version vom 1.8.2018)