Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/319

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ins Werk zu richten. Mein Gerichtshalter will eher das Leben verlieren, als seine Braut. Er ist, wie Sie wissen, ein Mann, der Herzhaftigkeit besitzt und ein gewaltiger Disputator, daß ihr Herr Lampert gewiß gegen ihn den kürzern ziehen würde, wenn er sich mündlich oder schriftlich, auf den Hieb oder Schuß mit ihm einlassen wollte. Ueber dieses glaube ich, daß mein Gerichtshalter dieses artige Mädchen wohl verdient; er hat alle Regeln eines Liebhabers, der in seinem Vorhaben glücklich seyn will, aufs genaueste beobachtet. Er hat zu rechter Zeit geschwiegen, und zu rechter Zeit seine Beredsamkeit angewendet; und das ist es alles, was man von einem rechtschaffenen Verehrer eines Frauenzimmers verlangt. Sein Mitbuhler, der diese Regeln übertreten hat, muß sich sein unglückliches Schicksal selbst zuschreiben, und ich hätte ihm dieses prophezeien wollen. Gedult und ein wenig philosophische Gelassenheit, die schon so viele unglückliche Liebhaber beruhiget und sie von den gefährlichsten Gedanken abgehalten haben, sich selbst zu ermorden, sind die einzigen Hülfsmittel, zu welchen er seine Zuflucht nehmen kann, um sein Unglück sich erträglich zu machen. Ich

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 317. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/319&oldid=- (Version vom 1.8.2018)