Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/61

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Sie wurden zurückhaltend, und einen Kuß, den Sie mir sonst würden für einen Apfel gegeben haben, wollten Sie mir nicht mehr schenken, wenn ich Ihnen eine ganze Toilette angebothen hätte. Jedoch erlauben Sie, daß ich Ihnen diese Entdeckung mache, je spröder Sie wurden, desto mehr fing ich an, Ihnen gut zu werden, ich wurde Ihnen so gut, daß ich Sie gar liebte, und auf diesen Fuß stehet es noch mit uns bis auf den heutigen Tag, Sie spielen noch immer die Person einer Spröden, und ich die eines Verliebten. Da ich also in der Stille mir schmeichelte, noch eben den Antheil an Ihrem Herzen zu haben, den Sie mir ehemals in Ihrer Unschuld freiwillig schenkten, und dahero Ihr zurückhaltendes Wesen der zärtlichen Empfindung, für die Ehre zuschrieb: so wollte ich, weil Sie niemals die Versicherungen meiner Ergebenheit annahmen, solche doch durch etwas bezeigen, ohne daß es jemand und Sie auch selbst eine Zeitlang gewahr werden sollten, und verfiel darauf, daß da ich sonsten

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 59. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/61&oldid=- (Version vom 1.8.2018)