Seite:Hansson Oberländer und die Fliegenden.djvu/9

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schon vorher für die „Fliegenden“ verwertet; es heißt dort: „Der Schnuller als Lebensretter“.

Ueber seine Lebensgeschichte ist Oberländer sehr verschlossen. Nur soviel erzählt er, daß er in Regensburg geboren, aber bereits als einjähriges Kind mit seinen Eltern nach München gekommen sei. Er lacht dann gern, wobei er sich etwas hintenüber wirft und unter seinem braunen Vollbart einen kleinen, zahnlosen Kindermund öffnet. Da ich von Oberländers Lebensdaten nichts aus seinem Mund mitteilen kann, obgleich ich während der letzten Jahre viel mit ihm verkehrt, so will ich dasselbe tun wie er und die freundlichen Leser auf Meyers Konversationslexikon verweisen.

Ich hielt Oberländer lange auch für einen Blumenmaler, da seine Wände mit Blumenstücken, wie Sumpflilien, wilden Rosen, Feldblumensträußen, bedeckt sind. Da erfuhr ich aber, das seien die Arbeiten seiner Gattin, die er ebenso, wie Hans Thoma seine Frau, zu einer geschickten Blumenmalerin ausgebildet. Ich habe jedoch die kleine sanfte Frau Sophie nie mit Pinsel und Palette tätig gesehen.

So ist der Mann und der Mensch Oberländer. Wenn ich nun hinzufüge, daß man ihn Winters gewöhnlich in einem Damenkragen um die Schultern und mit einem gestrickten Hosenband um das eine Bein antrifft, so glaube ich damit das Bild von „Oberländer intim“ abgeschlossen zu haben. Was den Zeichner angeht, den man nach den mit dem Verlag geschlossenen Verpflichtungen einzig und allein in den „Fliegenden“ genießen kann, so sind wohl meine Leser und ich darin einig, ihn in den letzten Decennien der „Blätter“, wo er oberster maître de plaisir ist, und in seinen jährlich erscheinenden Albums ohne Zwischenhände und Zwischenreden zu betrachten, wobei Jeder seiner eigenen Auslegung nachdenken kann. Die übrigen Hauptmitarbeiter mit den bekannten Namen – Harburger, Schlittgen, Réné Reinecke, Hengeler, u. a. m. – sind ja alle ausgeprägte künstlerische Individualitäten, die es gewiß von Interesse wäre, in der Eigenart jedes Einzelnen näher zu charakterisiren, was doch über den Rahmen dieses Aufsatzes hinausgehen würde.

Wenn ich sagte, den Künstler Oberländer genieße Jeder in seiner Weise aus den „Fliegenden“, so bedarf das doch einer gewissen Einschränkung. Er ist nämlich in den „Fliegenden“ nicht völlig und ganz zu genießen, und er betrübt sich auch selbst darüber von Zeit zu Zeit in seiner stillen Weise. Das Hinderniß ist rein technischer Natur. Das Format der „Fliegenden“ ist zu klein. Oberländer bedarf Ellenbogenraum, um ganz zu wirken, und die blaßroten „Blätter“ können’s ihm nicht gewähren.

Man merkt dies erst ganz, wenn man z. B. jene Ausstellung von Zeichnungen zu den „Fliegenden“ betrachtet, die vor Kurzem im Münchener „Kunstverein“ veranstaltet wurde. Das Format der Zeichnungen wird ja für die Herstellung der „Fliegenden“-Hefte sehr bedeutend verkleinert, weil die Hefte nun einmal nach der ursprünglichen Intention bei der Gründung nicht größer

Empfohlene Zitierweise:
Ola Hansson: Oberländer und die „Fliegenden“. S. Schottlaender, Breslau 1904, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hansson_Oberl%C3%A4nder_und_die_Fliegenden.djvu/9&oldid=- (Version vom 1.8.2018)