Seite:Hartung Geheimbuch eines deutschen Handelshauses.djvu/6

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Diese zahlreichen Zweigniederlassungen standen nun in einem lebhaften Geld- und Warenaustausch nicht nur mit der Zentrale in Augsburg, sondern auch untereinander und mit anderen Orten, und fast bei keiner Abrechnung fehlt das besondere Konto für die Waren, welche zur Zeit von einer Filiale abgesendet, aber noch unterwegs waren; ihr Wert wird in diesem Falle immer unter den Posten der absendenden Faktorei aufgeführt. So waren, um einige Beispiele herauszugreifen, zur Zeit der Generalrechnung 1560 für 5001 fl. Silber und Kupfer von Schwatz nach München und Venedig unterwegs, 1562 für 12 300 fl. nach verschiedenen Orten. Von Antwerpen waren 1549 für 35 000 fl. Waren, besonders Tuche, nach Köln, Nürnberg und Frankfurt abgegangen, im Jahre 1547 für 2297 Livr., d. i. rund 9500 fl., nach Lyon, Augsburg, Nürnberg, Köln und Mainz. Ebenfalls 1549 waren aus Nürnberg Waren im Gesamtwerte von 10 216 fl. nach Antwerpen, Augsburg und Frankfurt unterwegs. Breslau hatte 1560 für 2916 fl. Waren nach Thorn und Danzig und gleichzeitig für 9207 fl. Waren nach Antwerpen und Frankfurt a. O. gesandt, und von Krakau war 1561 eine Kupfersendung über Danzig nach Antwerpen abgegangen. Auf der Landstrasse nach Lüneburg und Hamburg befanden sich 1543 für 2875 fl. Waren, die von Nürnberg kamen. Auch beträchtliche Sendungen an barem Gelde wurden nicht selten zwischen den einzelnen Geschäftsstellen hin und her geschoben. 1543 waren von Nürnberg an barem Gelde 11 065 fl. nach Augsburg und Antwerpen, 1547 von Antwerpen nach Lyon, Nürnberg, Augsburg und Köln im ganzen 1845 Livr., d. i. 8500 fl., unterwegs. Im Jahre 1549 waren von Augsburg nach Venedig 5723 fl. abgegangen aber noch nicht angekommen. In den späteren Jahren werden derartige Sendungen weniger häufig erwähnt, vielleicht, weil der Wechselverkehr allmählich grössere Ausdehnung gefunden hatte.

Die meisten der Filialen bildeten nun aber wieder für sich den Mittelpunkt eines mehr oder weniger verzweigten Netzes