Seite:Heinrich Brandt - Ansprache an die evangelischen Gemeinden in dem Altmühlgrunde und der Umgegend.pdf/2

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des für Wohl und Wehe unserer Nachkommen noch eine offene Kammer hat, ihr kennt mit einem Worte die verwahrlosten Kinder, die unter uns sind, nicht nur, sondern fraget auch, was mit ihnen werden soll.

 Antwort: – Wir wollen nicht warten, bis ein Einiges Deutschland den Nothstand in’s Auge faßt, der in seinen unzähligen verwahrlosten Kindern immer schreiender wird; wir dürften zu lange warten müssen – wir wollen dahin gestellt sein lassen, was unser Bayern für und wider sein junges Proletariat soll, will und kann; das ist die Sache des Königs, seines Ministeriums und der Kammern – wir wollen unsere Hoffnungen nicht auf einen künftigen Kirchentag setzen, wir wollen dem, was die kirchlichen Behörden und die letzte General-Synode in dieser wichtigen Sache angeregt haben, gleich durch die That entgegenkommen, – thun wollen wir etwas, und wenn es auch vorerst nicht mehr, wenn es auch vorerst ein schwächerer Anfang wäre, als der erste Schubkarren Sand, welcher zu dem meilenlangen Damm herbeigeführt wird. – Aber was?

 Es haben bereits früher und auch in unsern Tagen allenthalben die Freunde der innern Mission den Versuch gemacht, verwahrloste Kinder der bezeichneten Art in guten christlichen Familien unterzubringen. Allein der wahrhaft christlichen Familien sind viel zu wenige – sowohl derer, die nicht mit eigenen Kindern gesegnet sind, und doch das schwere Kreuz der Erziehung fremder auf sich nehmen wollen – als auch derer, die unverführte Kinder haben, und sich doch entschließen können, ein verführtes und wer weiß von welchen Lastern angestecktes dazu zu nehmen. Von Hausvätern aber, die nur um des Erwerbs willen bereit dazu wären, kann bei unserem Zweck gar keine Rede sein.

 Darum laßt uns, ohne die Unterbringung solcher Kinder in christlichen Familien, wo sie thunlich ist, ausschließen zu wollen, Rettungshäuser für dieselben gründen, um in diesen mit Gottes Hilfe die jungen Seelen zu retten und dadurch auch die Zahl der Verbrecher zu vermindern. Solcher Rettungshäuser hat z. E. das kleine Würtemberg drei und dreißig, solche bestehen schon seit mehreren Jahren zum großen Segen für Viele, eines in Nürnberg für Knaben und eines in Erlangen für Mädchen, ein solches soll nun auch in der Nähe von Erlangen und ein anderes für Unterfranken errichtet werden.

 Da aber die einzelnen Rettungshäuser, wenn der gute Zweck erreicht werden soll, wie sich von selbst versteht, nicht überfüllt werden dürfen, so ist gar sehr zu wünschen, daß deren mehrere gegründet werden könnten.