Seite:Heinrich Brandt - Ein ernstes Wort an Herrn Friedrich Dumhof.pdf/13

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noch kein namhafter Theologe eine Disputation angeboten? Irre ich, wenn ich behaupte, weil Jeder befürchtet, sich mit so einer Disputation zu beflecken? Es kam ja, sagen Sie, auch bei der Disputation Luther’s mit Eck nichts heraus.

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 Mit dieser Behauptung verrathen Sie aber große Unwissenheit. Wessen Rolle würden denn Sie bei einer Disputation spielen? Die des Eck, von dem selbst Luther gesagt hat, daß, wenn einer verdient, auf dem päpstlichen Stuhl zu sitzen, so sey es Eck? oder die des Luther, vor dem selbst Eck Respect bekam? Schon das ist eine große Dreistigkeit, wenn Sie sich einem Eck an die Seite stellen. Dafür aber, was Sie und Ihre Kollegen thun, wenn Sie sich mit Luther vergleichen, habe ich keine passende Bezeichnung, indem solche Dreistigkeit alle Gränzen übersteigt. Sie und Luther!! Was wissen Sie denn außer einigen aufgeklaubten Brocken aus Luther’s Schriften? Ihr Geist und Luther’s Geist! Worin sind diese einander ähnlich? weniger noch ähneln sich beide, als die stockfinstere Nacht dem hellen Tage, und weniger noch als die stinkende Oellampe dem klaren Sonnenlichte. Welch’ freches Spiel treiben Sie mit der Berufung auf Luther! Bald schulmeistern Sie und Ihre Kollegen den Mann, von dessen Größe Sie gar keinen Begriff haben. Bald nehmen Sie ihn zum Vorbild und Vorkämpfer, wenn das in Ihren Kram paßt, und beschimpfen ihn damit auf’s Nichtswürdigste. Die elende, erbärmliche, bodenlose und darum lügenhafte Sache, für welche die Freiprediger