Seite:Hermann von Bezzel - Christentum und Kreuz.pdf/8

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gepriesen. Ich erinnere nur an den Verzicht, den der Buddha predigt und an den Fatalismus des Islam. Aber, daß Leiden die Kraft des Lebens und Kreuz die Stärke des Daseins, beide Male von dem Kreuz her ist, hat nur Christus bezeugt. Religionsstifter hat es genug gegeben. – Vor 600 und mehr Jahren hat am Hofe des Staufers Friedrich II., der auch durch Ihre Stadt gegangen ist, einer über die drei größten Betrüger der Welt geschrieben, über Moses, Christus und Mohammed. – Aber so mit seiner Lehre eins, innerlich von ihr erfaßt und von innen nach außen sie bewahrend und bezeugend, mit sich ganz zusammenschließend, ist nur einer gewesen.

 Dieser Eine, sagt Luther einmal (Erlanger Ausgabe Bd. 23), wird von dem Teufel mit drei Heerspitzen an gegriffen: „eine will ihn nicht lassen Gott sein, eine will ihn nicht lassen Mensch sein und die dritte will ihn nicht lassen tun, was er getan hat“. Würde Luther zu unseren Zeiten gelebt haben, so würde er vielleicht von einer vierten Heerspitze noch reden, die darauf hingeht, die Geschichtlichkeit und Persönlichkeit Jesu überhaupt in Abrede zu nehmen.

 Den nennt man billig einen Toren, der ein feines Räderwerk einer in sich zusammengreifenden Uhr als unverursacht oder höchstens durch eine Menge von Wirkungen erstanden erklären wollte, die letztlich nicht von einem persönlichen Willen ausgehen. Aber wie sollen wir die Anschauung recht bezeichnen, welche die vier Evangelisten, arme Fischer und ungelehrte Zöllner, Männer ohne Philosophie und ohne Phantasie, das Lebensbild eines Mannes zeichnen läßt, dessen Umrisse, Schattenrisse wie im Nebel im Alten Testament vorgezeichnet waren, ohne doch je zu einer Wirklichkeit gelangt oder in einer

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Hermann von Bezzel: Christentum und Kreuz. Trowitzsch & Sohn, Berlin 1912, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_von_Bezzel_-_Christentum_und_Kreuz.pdf/8&oldid=- (Version vom 1.8.2018)