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lassen. Alles, was sich von Eigenem her auf weite Einflüsse anlegt, weist der Herr als unrein zurück. Man herrscht nur, indem man dient, man erobert nur, indem man gehorcht, man erreicht nur etwas, indem man treu ist. Lassen Sie uns die Räume, in die er uns hineingestellt hat, wenn sie nicht in die Weite gehen, in der Tiefe beherrschen und erobern, helfe ein jeder dazu, daß evangelische Lebensarbeit so im Augenblick, der sie gebietet, wie am Orte, dem sie entstammt, ganz und voll geschehe!

 Und nun laßt die Fülle von Beziehungen aus der Enge hervorquellen, laßt uns werben um einzelne Seelen, ringen um einzelne Personen und uns mühen um einzelne Beziehungen! – Nun sehen wir auf einmal, wie groß die Arbeit ist, in die er uns gestellt hat. Es ist die Verklärung seines geheimnisvollen Leibes dem Herrn hoch angelegen; denn er hat die Kirche auf die Erde gestellt, damit die Erde genesen könne, und der Welt sie eingestiftet, daß die Welt an ihr Heil und Heilskraft habe. Tote Kirchengebilde fallen um, Kirchensysteme haben ihre Zeit und vergehen, Kirchenordnungen tragen ihr zeitliches Gewand, das zerschleißt und abfällt; aber das Geheimnis der um Christus sich mühenden Seele, die sich allein auf ihn beschränkt, um dann in große, soziale Ideen sich wieder einzureihen, wird die Welt überwinden. So gewiß es das Vorrecht des Christen ist und die Pflicht seiner Lebenserhaltung, mit seinem Herrn ein Mysterium zu haben, in das kein anderer hineinsehen kann, so gewiß der Herr, der nicht von einer allgemeinen Sünde, sondern von meiner Ichsünde mich erlöst hat, dieses Geheimnis, das er mit mir durchlebt hat, teilt, so gewiß schließen sich dann alle, die durch sein Blut Vergebung der Sünden empfangen haben, aneinander. Die Kirche Jesu Christi ist ein innerliches Ding, sie baut er aus, damit er endlich in ethischer Hinsicht die Welt verkläre, wie er im kosmischen Prinzip die Welt überhaupt erfüllt hat. Er will im dritten Leibe, der ihn umgibt, sich verklären.

 So die Weltverklärung; denn die Fürbitte und Fürsorge des Herrn hat als letztes Ziel, daß alles dem Vater untergeordnet würde, widerwillig das eine, weil es muß, freudigen Willens das andere, weil es darf, daß der Vater an den einen geheiligt werde, die ihn nicht heiligen wollen, und von den anderen geheiligt werde, die ihn als ihren heiligen Gott preisen. Die Allmacht des verklärten Heilsmittlers ist ja nicht eine schöpferische, sondern eine erneuende und vollendende. Schöpferische Allmacht ist die des Vaters, erlösende, vereinigende, verinnernde die des Sohnes. Und so herrscht er durch das Gebet der Treue, durch die Fortwirkung seines allerheiligsten Verdienstes, durch die Auswirkung seiner Heilsmittlertätigkeit, bis alle Feinde zu seinen Füßen gelegt sind. Vielleicht

Empfohlene Zitierweise:
Hermann von Bezzel: Der erhöhte Herr. Furche, Berlin 1914, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_von_Bezzel_-_Der_erh%C3%B6hte_Herr.pdf/19&oldid=- (Version vom 5.7.2016)