Seite:Hermann von Bezzel - Die Beurteilung der Fleischessünde in unserer Zeit und in der heiligen Schrift.pdf/15

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Herzen tragen, und das Volk, das uns befohlen ist, in Heimweh und Heimrecht vor dem Schwerte schützen. (Jerem. 51, 5.) Die Pfarrhäuser seien in ihrer schlichten Einfachheit und evangelischer Weitschaft fern ab von ungutem Luxus wie von falschem Puritanismus, Stätten edler Freude, reinen Genusses, aber auch klagelosen Verzichtes um des Höchsten willen. Nur aus der Familie, die auf ewigen unverlornen und unverlierbaren Gottesordnungen sich erhebt, wird unser Volk erneut. Wo die Gemeinschaft der Geschlechter nicht Selbstzweck, sondern Vorschule höchster Erziehung und Uebungsstätte wahrhafter Förderung zu Gott hin bedeutet, da geht von ihr etwas von dem Friedenshauche aus, der aus dem Geheimnisse Christi und seiner Gemeinde herweht, die in irdischer Ehe Abbild haben, wie sie ihr Urbild sind. Machen wir hart Gebundenen die Beichte leicht, ohne kasuistisch zu fragen und zu klügeln: noli crubescere mihi confiteri tua peccata, nam nescis utrum ego eadem an maiora quam tu commiserim sagt Rhabanus. Habe keine Scheu, deine Sünde zu bekennen, denn du weißt nicht, ob ich nicht auch solcher Sünden mich schuldig gemacht habe. Der stille Friede des Christenlebens ladet zur Beichte, seine Kraft verheißt Absolution! – Aber zu ernstem, aus heiligem Eifer entflammten Zorn helfe uns der heilige Gott, wenn auf dem Markte die Verführung frech sich bläht und in den Winkeln das Laster lauert, zu parteiloser Verurteilung wollen wir uns einigen, wo Sünde Sünde ist und es doch nicht sein will. Wächter über die Seele unsres Volks können nicht stumpf, dürfen nicht blind sein. Schonen Sie, schreibt Spurgon in The darkest London, die Schurken nicht, auch nicht in Stern und Ordensband! – Wachen über die Seelen wollen wir, ihre Feinde kennen, nennen, entlarven. Verehrte Anwesende alle: lassen Sie uns mit Ausdauer im verordneten Kampfe laufen und auf den fleißig aufsehen, der für uns treulich betet, daß unser Glaube nicht aufhöre, weder an ihn noch an die Zukunft des von ihm beschwerlich erlösten Volkes. Lassen Sie Lindigkeit den Gefallenen zukommen und das Oel der Leutseligkeit den Geschlagenen, aber schärfste Abweisung dem Faulen und Falschen.

 Königlich frei wollen wir über alles Große und Reiche, über alles menschlich Schöne und Leuchtende hinsehen und unsere Hand über alles Erdenwerk hinstrecken: Dies alles ist unser, nicht weil der Feind es anbot und dagab, sondern weil ein Heiland es erkauft, erworben und gewonnen hat. Aber priesterlich gegürtet wollen wir uns zur Verzicht und zum Opfer freudig rüsten. Wir sind Christi, frei zu tun und zu lassen, alles aber zur Erbauung der Gemeinde.

 Mit zwei Bildern lassen Sie mich schließen. Voltaire saß über einer schnöden Arbeit: er hatte eine laszive Travestierung des 51. Psalm bis zum 11. Verse vollendet. Als er aber an das: cor mundum crea in me der Vulgata kam, entfiel ihm die Feder. An diesen Worten brach sich Hohn und Spott. Mag das Heiligste profaniert und das