Seite:Hermann von Bezzel - Die Beurteilung der Fleischessünde in unserer Zeit und in der heiligen Schrift.pdf/6

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Anadyomene hat ihn erfüllt, er betastet den Stein, von dem er sich nicht trennen kann, gibt sein Taschengeld aus, um immer wieder ins Museum zu gelangen, dann wird er von seinem Dienstmädchen in Dinge eingeweiht, die ich nicht einmal mit dem fremdsprachigen Namen bezeichnen kann. In eine Erziehungsanstalt verbracht, ist er zunächst Schüler in wüsten onanistischen Orgien, dann der unübertroffene Lehrer in all diesen Schändlichkeiten. Mit Mühe und Not durchs Gymnasium gedrückt, wird er von seiner eigenen Mutter, deren zynische Unterhaltung mit dem Vater er belauscht hat, zum Inzeste veranlaßt, den er weiterhin an seinen beiden Schwestern verübt. Päderastie, Sodomiterei, Bestialität schildert er mit behaglichem Grinsen, bis das furchtbare Machwerk mit dem Preis der Homosexualität „wir liebten uns inniglich und minniglich“ schließt. Verzeihen Sie, daß ich es wagte, das Buch zu nennen, in dem die Viehischheit ihre Triumphe feiert. Fast möchte ich glauben, daß ein halbwegs normal empfindender Mensch, der solch ein Buch durchfliegt, mit Grauen von einem Nachtgebiet sich abwenden müßte, das von dem gierigen Licht der Hölle wirksam erleuchtet wird. Hier ist nicht mehr das bürgerliche Gesetzbuch der einzige Moralkodex, wie etliche lehren: Was dieses unbestraft zuläßt, das hat die Gesellschaft kein Recht, nach einem bloß konventionellen Sittengesetz zu verurteilen. – Hier ist nur das physische Können noch Grenze: tu connais mon système: vogne la galère. Wenn die Bestie Mensch verfault, dann hat sie sich wenigstens amüsiert. Alles weitere ist Pfaffentrug, Philosophasterei, Gerede, Geträume.

 Daß gegen solche Schauerlichkeiten nicht von den Volksführern Zeugnis abgelegt wurde, daß ein Schopenhauer, der viel gefeierte Philosoph, an diesen Dingen Gefallen fand (Memorabilien von Frauenstädt S. 270) lediglich mit der beschaulichen Aeußerung, es habe gar vieles im Menschen neben einander Platz, und daß nachträglich gänzlich unbekannte Erotika Goethes auf Spezialbefehl der Großherzogin Sophie von Weimar versiegelt und abseits gelegt, auch Epigramme nur in 40 Exemplaren „als verheimlichte Epigramme“ als Privatdruck in Handel kamen, ist tief schmerzlich, zeigt es doch, wie wir der Todesgefahr einer doppelten Einschätzung der Dinge, einer Zweideutigkeit und Zwieschlächtigkeit zusteuern, die öffentlich Wasser predigt und heimlich an diesem Wein sich berauscht. Man verurteilt öffentlich um der sogenannten Moral willen, was man im engsten Kreise belächelt und begrüßt. Ich breche hier ab. Was in den Kammern heimlich geschieht, das wird von den Dächern bald gepredigt werden. Die Jahrhunderte durch gefestigten Bollwerke einer sittlichen Gesamtanschauung werden, wenn einzelne Stände Pallisaden ausbrechen, nicht Lücken aufweisen, sondern zusammenstürzen und unser Volk im Abgrund begraben!

 Wird in dieser Literatur das Obszöne in quantitativer Häufung und qualitativer Degeneration dargestellt, sodaß schließlich jede noch