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 Und wie in den Abschiedsreden immer wieder das große Wort von der Verklärung der Trauer durchklingt, auf die er nicht um ihrer selbst, sondern um Gottes willen wartet, so will der Herr die heilige Wahrheit des Wortes und die Geradheit des Sinnes durch die Auswirkung des Vorhabens zu Ehren kommen sehen. Der treue und wahrhaftige Zeuge, das Amen Gottes, verlangt, weil mit Gott eins, dessen zielwillige und zielsetzliche Tat.

 Wer sich dem heiligen Gott völlig ergibt und seine Lebensabsichten an sich geschehen läßt, der ist heilig, thetisch zunächst, und heiligt sich, prinzipiell und praktisch, um Gott in sich zur Erscheinung zu bringen; er reinigt sich, gleichwie er selbst rein ist (1 Joh. 3, 3). So ist der im Neuen Testament nicht seltener gewordene Ausdruck der bedeutsame Hinweis aus Recht und Pflicht der Christen, die keine andere Aufgabe haben, als zu werden, was sie sind, bis sie geworden sein werden, was sie sein dürfen. Man mag wohl zugeben, daß die Behauptung, heilig sei zunächst ein physischer Begriff, der weiterhin sich vertieft und ethisiert habe, nicht zum Ziele trifft, und mehr ein evolutionistisches Theorem religions-geschichtlicher Willkür als Wiedergabe der Tatsache ist.

 Gottes uranfängliches Selbstgenügen in der alles vermögenden und aus sich beziehenden Machtfülle gibt sich der Menschheit in dem Ernste kund, der ihr Wohl sucht und es liebend vollendet, aber die um seiner selbst willen von sich weist, die außer ihm ihr Heil suchen und gefunden zu haben meinen.

 Was aber das erste Wort, das A der Schöpfung ist, muß auch ihr letztes Wort sein, weil zwischen Anfang und Ende, wie zwischen Alpha und Omega das Alphabet und alle aus ihm sich bildenden Wortformen ruhen, so alle Geschehnisse und Geschichte sich vollziehen. Licht war das erste Wort, Licht soll der göttlichen Worte und Werke verklärendes Ende sein, in dessen Glanze wir das Licht sehen.


IV.

 Omnia vanitati sunt obiecta: in his, quae propter homines facta sunt, vanitas est mutabilitatis, in his, quae ab hominibus facta sunt, vanitas curiositatis; in his, quae in hominibus facta sunt, vanitas mortalitatis – „Alles ist der Eitelkeit Unterworfen: in dem, was wegen den Menschen gemacht wird, ist die Eitelkeit des Wandelbaren; in dem, was von den Menschen gemacht wird, die Eitelkeit der Neuerungssucht; in dem, was in dem Menschen gemacht wird, die Eitelkeit der Sterblichkeit“, sagt Hugo von

Empfohlene Zitierweise:
Hermann von Bezzel: Die Heiligkeit Gottes. Dörffling & Franke, Leipzig 1916, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_von_Bezzel_-_Die_Heiligkeit_Gottes.pdf/19&oldid=- (Version vom 9.9.2016)