Seite:Hermann von Bezzel - Die sieben Sendschreiben.pdf/41

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Gemeinde begleitete, mit dem sie sich zur Ruhe legte und mit dem sie zu neuem Tagewerk aufstand, in all dem Bittern, im Gefühle, auf Erden verlassen und im Himmel fremd zu sein, soll sie sich trösten, daß durch diese winterliche Flur Fußtapfen gehen, scharf eingeprägt. Diese Spuren sind nicht die eines irrenden Menschen, bei dessen Wegtritten man sich dem Gefühle eigenen Irregehens nicht entziehen kann, sondern diese Fußtapfen sind klar: sie gehen durchs Sterben, aber sie rasten nicht beim Sterben. „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig geworden.“ Sie gehen über Grab und Tod hinüber. Das Ende des Winters – am Grabe; aber jenseits des Grabes der Anfang des Frühlings, der nie verwelkt und nie vergeht. „Der Erste und der Letzte“ grüßt seine Gemeinde. Sie soll es wissen, daß mitten durch die einsame Erde, die so kalt und tot vor ihr liegt, ein Weg führt mit sicheren Zeichen, ein Pfad, klar und scharf sich abhebend von all dem, was ringsum liegt. Die Gemeinde soll es erfahren, was wir beten: „Jesu geh voran auf der Lebensbahn und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen. Führ uns an der Hand bis ins Vaterland!“[1] An diesen Spuren aber soll die Gemeinde sich trösten. Sie gehen tief hinein, so tief, bis sie am Grabe enden, und über diesem steht: „Leiden, Sterben, Tod, – Ich war tot.“ Aber wenn die Welt am Grabe umkehrt mit dem Weh im Herzen, daß sich der Weg auch des Getreuesten verloren hat, so geht das Auge des Christen weiter. Ueber das Grab hinüber sieht er eine Welt von Seligkeit, nicht im Hoffen, sondern im Haben, und über dem Wege steht: „Ich bin wieder lebendig geworden!“ Also ist der Erweis erbracht, daß auf Winterszeit

Anmerkungen (Wikisource)

  1. EG 391,1.