Seite:Hermann von Bezzel - Die sieben Sendschreiben.pdf/44

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an den Reichen, Vollen, Satten, Selbstgewissen vorübergehen, während wir zu den Geängsteten hintreten und sagen: Jesus Christus hat mir den Glanz ins Herz gesenkt, daß ich auch in dein Herz ihn senken darf. Das wäre eine gesegnete Gemeinde, das wäre ein gesegnetes Dienen, wenn wir hingehen würden und sagen: „Du glaubst arm zu sein, Du bist aber reich“, und nun dem Herzen aufschließen, was Christus einer Seele werden kann, der alles Irdische ein Nichts geworden ist. – Aber das muß man erst selber erfahren haben; denn unsere Kranken und Armen fühlen es hindurch, ob wir mit zusammengeleimten Redensarten zu ihnen treten, die wir gar nie innerlich erfahren haben, oder ob wir selbst das Angesicht des Königs geschaut haben, der uns in unserm Leben, in unserer Krankheit besucht hat. Niemand ist feinfühliger als ein Kranker, nichts spürt er mehr durch als dies, ob die Persönlichkeit, die mit ihm handelt, sich in ihn hineindenken kann. Indem ich, der Gesunde, an ein Krankenbett trete, tue ich wohl auf der einen Seite und wehe auf der andern Seite. Ich stehe in der Kraft da und dieser Kranke muß leiden. Es ist schwer, einen gesunden Tröster zu haben. Indem man äußere Wunden heilt, kann man innere aufreißen. Dieses Gefühl recht zu verstehen, sich hineinzudenken, sich hineinzubeten und hineinzulieben in das Herz des Kranken, das heißt zu ihm sagen: „Du bist arm, nein reich.“ Die Verheißungen des Alten Testaments stehen um dein Lager und die Tröstungen des Neuen umringen dich. Für dich betet, daß du heimkommst, dein Hoherpriester. „Du bist reich“, denn du darfst über die Todesschatten und über die sich verlierenden Spuren dieser Erde