Seite:Hermann von Bezzel - Die sieben Sendschreiben.pdf/46

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Lügnern waren. So nennt sich mancher einen rechten Christen, der nicht einmal das Abc des Christentums gelernt hat. Wir wollen uns der falschen Urteile nicht weigern, weil der Herr uns dadurch mehr in die Heiligung treiben möchte, so gewiß uns jedes harte Urteil am Herzen frißt, weil auch im verlogensten Urteil ein Gran Wahrheit ist. Wir werden ja Trübsal erleiden müssen. Ein Christ, der hier auf Erden lauter Kränze flicht und sich flechten läßt, der hat droben nichts mehr zu tun; denn er hat hier bereits seine Aufgabe erfüllt.

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 „Fürchte dich vor der keinem, das du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf daß ihr versucht werdet und werdet Trübsal haben zehn Tage. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!“ (V. 10) Zehn Tage Gefängnis und der elfte brachte den Tod. Diese Worte haben sich ganz wörtlich erfüllt. Er ruft ihnen zu: „Werde treu bis zum Tode, dann will ich dir den Lebenskranz geben!“ So ruft er auch uns zu, die wir ihm nachfolgen möchten. Treu bis zum Tode, [–] also bis zu dem Augenblick, wo die Untreue am leichtesten eintritt und sich rechtfertigen möchte, weil man am leichtesten da seinen Herrn vergißt und am besten sich über dies Vergessen als über ein entschuldbares tröstet. Bis zum Tode, und wenn es schwer ist, so wissen wir, daß einer neben uns steht, der diese Treue so gehalten hat, daß er in der eigenen Gottverlassenheit Gott nicht verließ. Er mußte wohl sprechen: „Warum hast Du mich verlassen?“[1] nimmer aber: „Warum habe ich Dich verlassen Wir gehen weiter und sagen: „Sei getreu“ nicht nur bis

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vgl. Mk. 15,34.