Seite:Hermann von Bezzel - Die sieben Sendschreiben.pdf/48

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rauschen hören. Es schwindet das Gefühl, das so oft das fühlte, was nicht zum Frieden diente und was der Seele einen bittern Schaden zugefügt hat. Und da will er denn, wenn alles wankt und schweigt, wenn alles weicht und fällt, eintreten mit einem Lebenskranz, da jede Blume die Probe des Todes bereits bestanden hat und jede Blüte die versehrende Winterkälte erfahren und überwunden hat. Er will den Lebenskranz geben, wie er dort vom Lebensbaum in seligster Gemeinschaft mit seinem Vater essen läßt. Und dieser Lebenskranz, den er am Kreuzesstamm errang, da ihm die Dornenkrone aufs Haupt gesetzt wurde und er aller Freude sich versagte, wird uns nicht von einem Engel, auch nicht durch Vermittlung der erträumten Heiligen geschenkt, sondern der Herr neigt sich selbst herab. Wo wir auf der Stirne den Todesschweiß rinnen sehen, dürfen wir auch manchmal etwas vom Aufleuchten des innern Menschen erblicken, der sich freut, daß einer sich seiner annimmt, ja sein Herr ihm den Lebenskranz aufdrückt. So mögen alle Freuden von uns weichen, alle Blüten welken; denn über kurz oder lang weichen sie ja doch. Das ist es, was wir täglich erbeten wollen und dürfen: „Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, ich bin dein, niemand kann uns scheiden.“[1] Er, auf dessen Lebensbaum so viele Blüten und Blätter täglich reifen, möge noch einen Segen für uns übrig haben, noch etliche Blätter und Blättlein finden, die da ausreichen, um uns einen Lebenskranz aufs Haupt zu geben. „Bis zum Tod getreu“. Es kann niemand mehr begehren, denn daß er treu erfunden werde, weil Christus von uns nicht mehr verlangt, als die Treue. Ach, daß diese Treue

Anmerkungen (Wikisource)

  1. EG 370,11.