Seite:Hermann von Bezzel - Die sieben Sendschreiben.pdf/8

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weichen. Gott ist das Licht; darum, wenn wir der Finsternis anhangen, so lügen wir. Johannes ist es, welcher der armen Gemeinde in der Gegenwart sagt: „Nicht, Gott war das Licht, sondern Gott ist das Licht.“ So seid getrost, die Nebel weichen und es wird alles noch hell werden. Wer aber sagt, er diene Gott und bleibt in der Finsternis, der lügt. Darum stellt er der armen Gegenwart die Aufgabe der Heiligung. Und: „Gott ist das Licht“. Es wird erzählt, daß, wenn der alternde Apostel der Gemeinde entgegentrat, von seinem Antlitz die Heiligkeit Gottes geleuchtet habe wie einst vom Brustschild des Hohenpriesters. Ja darum, weil Gott Licht ist und seinen Jünger zu einem Lichtträger gemacht hat, darum soll die Gemeinde auch Licht werden, damit aus der finstern Gegenwart herrliche Zukunft erwachse.

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 „Gott ist die Liebe“, das ist das Zweite. Gott liebt nicht bloß die Herrlichkeit des Frühlings. Er ist nicht bloß ein Gott der sommerlichen Reife, gesegneter Ernte und frohen Fruchtertrags, sondern auch ein Gott winterlicher Zeit, wo es im Herzen stürmt und das Leben einsam und öde wird, wo das Laub fällt und alles erstorben ist. So gewiß durch all die Schatten hindurch, welche des Winters Kälte über diese Erde hinsendet, immer wieder sieghaft die Sonne sich ringt, so gewiß ist Gott stark genug, auch ein Gott des Winters in kümmerlicher Gegenwart zu sein; so gewiß ist auch, wenn es dunkel wird im Menschenherzen und die Tage kommen, die uns nicht gefallen, Gott – die Liebe. Da wurde die Gemeinde froh, wenn über ihrer armseligen Gegenwart dies Wort stund, daß also der Herr, dem ja nach seinem ganzen Wesen die Schöne des Frühlings