Seite:Hermann von Bezzel - Die sieben Sendschreiben.pdf/87

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wenn der Freund, die Freundin das Gewissen der andern geworden ist. Darnach wollen wir uns prüfen und unsere Freundschaften noch einmal ansehen. Sofern unsere Freundschaften das Gewissen schärften, waren sie gesegnet und brauchen uns nicht zu gereuen. Sofern aber unsere Freundschaften das Scheinwesen fördern, das Gewissen einlullen, so wollen wir sie abbrechen. Ach, man kann so leicht sich in Begeisterung hineinsteigern, man kann so leicht in eine gewisse Höhe hinaufkommen und ist doch alles Schein, alles Schaum und nichts Rechtes. Ach, daß er lieber und freundlicher die wenigen Worte, die wir ihm zu Ehren sprechen wollen, ansehen möge als die zehntausend „mit Zungen geredet“. Darum bitten wir: „Ach nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin!“[1] Er wehre jeder falschen Begeisterung und gebe uns den Mut, das, was wir sein sollen und wollen, ganz zu sein. Darum bitten wir den, der durch denselben Apostel (Johannes) sagt: „Gott hat uns einen Sinn gegeben, daß wir erkennen den Wahrhaftigen und sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohne Jesu Christo. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. Hütet euch vor den Scheingöttern und vor den Scheingrößen!“ (1. Joh. 5, 20 f.)

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 Schein oder Sein, das ist also die Frage, die der Herr beim Bischof der Gemeinde von Sardes aufwirft. Bist du wirklich der Bischof der Gemeinde oder scheinst du es zu sein? Und du Gemeinde, bist du eine Gemeinde oder scheinst du es bloß zu sein? Wiederum: Der Herr Jesus gibt die Antwort bereits, und wenn er einen Menschen fragt, ob Schein oder Sein, so ist bereits die Antwort gegeben. Antwort: Mein andächtiges

Anmerkungen (Wikisource)

  1. EG 330,7.